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Geschichte der Abteilung

Beherzter Anfang – aber Schwierigkeiten im ersten Jahrzehnt
In dem im Jahre 1881 gegründeten Verein MTV Ingolstadt wurde schon bald darauf auch Leichtathletik betrieben, zunächst bei den Turnern aber auch bei den Fußballern. Ein typisches Beispiel war Hochspringer Hans Steigauf, der schon im Jahr 1913 mit einer übersprungenen Höhe von 1,90m auf sich aufmerksam machte und damit mit Recht als eines der größten deutschen Talente gefeiert wurde.
Am 22. Februar 1920 war es dann so weit, dass die Leichtathletik Treibenden im Verein eine eigene Abteilung gründeten. Als fünfte Abteilung nach Turnern, Fußball, Fechten und Kraftsport verselbstständigten sich die Anhänger wie Christian Strauß, Wunibald Birzl, David Linz, Karl Jäger und Franz Reichart sowie Jakob Häusler, der zum ersten Vorstand gewählt wurde.
Als dann im darauffolgenden Jahr 1921 die neue MTV- Sportanlage an der Jahnstraße im Rahmen eines großen Sportfestes der gesamten Abteilungen eröffnet wurde, stellten sich sehr bald sportliche Erfolge ein. Unter den Erster-Preis-Trägern waren Namen wie Reichart, Birzl, Vielwerth, Jall, Reuthlinger, Dengler, Sterner, Vonderthann, Weißberger usw. Es lief ein paar Jahre recht ansprechend, als aber 1924 die Trennung der Deutschen Turnerschaft von den übrigen Sportlern erfolgte, litt der Verein unter Veranstaltungssperren und Feindschaften, der Mitgliederstand ging beängstigend zurück, auch bei den Leichtathleten.

Erster Staffellauf „Rund um Ingolstadt“
Nach etwa fünf Jahren ruhigem Betrieb in der Abteilung brachte eine Arbeitsgemeinschaft zwischen der Deutschen Turnerschaft und dem Deutschen Sportbund wieder viele Erleichterungen. Diese Zusammenarbeit ermöglichte 1930 einen ersten Staffellauf „Rund um Ingolstadt“, wobei der MTV hier stark eingebunden war. In allen sportlichen Bereichen ging es schlagartig wieder bergauf.
Ein Jahr darauf, 1931, feierte der Männerturnverein an einem Wochenende im Juli sein 50-jähriges Jubiläum. Die nun schon zehnjährige leichtathletikabteilung zeigte sich von der besten Seite. Es ging wieder aufwärts, im trainingsbetrieb war wieder was los und es bildete sich eine starke Männermannschaft.

Sportliche Spitzenleistungen gabs beim MTV auch schon früher
Meister und Rekordläufer waren beim MTV schon früher beheimatet, wenn es auch damals nicht unbedingt so professionell zuging. 18 junge MTV`ler errangen nämlich im Jahre 1938 die deutsche Leichtathletik-Vereinsmeisterschaft unter den kleineren Städten des Reichs. Unter ihnen der bekannte Karikaturist Ernst Maria Lang und die anderen erfolgreichen Mannschaftsmitglieder Jakob Dengler, der damalige Abteilungsleiter Adolf Oberfuchshuber, Hermann Arnold, Josef Enzensberger, August Franke, Franz Gillich, Hans Golder, Anton Hartmann, Willy Harnagl, Hans Krätzlmeier, Willy Schneider, Rudi Schock, Heinrich Silberhorn, Kurt Stephan, Toni Sterner, Rudi Weimann und Fred Weiß. Spezialisten, wie sie mittlerweile unter den Leichtathleten die Regel sind, gab es zu dieser Zeit weniger, „Allrounder“ waren damals gefragt.
Danach war es wegen des zweiten Weltkriegs lange ruhig. In den Nachkriegsjahren wurde der Wiederaufbau betrieben und es dauerte viele Jahre bis sich die MTV-Leichtathletik wieder erholte.

Sprinter Franz Happernagl wechselt zum MTV
Man kannte ihn schon lange im Ingolstädter Sportlerleben, denn ab 1948 verschrieb er sich dem Sprint und nach dem unvergesslichen Jakob Dengler war er der nächste Sportler der zur Sprinterspitzenklasse zählte. 1954 wechselte er endlich zum MTV und sorgte wieder für einen Aufschwung in den Reihen der MTV-Leichtathleten. Zeiten von 10,5 und 10,6 Sekunden waren bei ihm keine Seltenheiten und er verhalf auch der MTV-Sprintstaffel mit z.B. Rudolph, Hassmann und Hapfelmeier zu großartigen Erfolgen. Seinen Höhepunkt hatte er 1952 als er zu den Olympischen Spielen in Helsinki nominiert wurde und dort als Schlussläufer der deutschen 4x100m-Staffel einlief. Er trug auch das Nationaltrikot in Länderkämpfen gegen Schweden und der Schweiz. Trotz verlockender Angebote von anderen Vereinen hielt er seiner Heimatstadt die Treue, wenn er sich auch dadurch um evtl. bessere Startmöglichkeiten brachte. 1958 beendete er seine Karriere, aber er brachte noch vielen „Jungen“ die Feinheiten des Sprints bei.
Vorher 1956 verstarb ganz unerwartet Abteilungsleiter Oberfuchshuber und der noch junge Aktive Alfred Auer übernahm die Abteilung. Er hatte mit Happernagl, Hassmann, Rudolph, Schmid, Gall usw. erfolgreiche Athleten in seinen Reihen und er forcierte vor allen Dingen die Arbeit mit Frauen und Mädchen.

Deutsche Waldlaufmeisterschaften am Auwaldsee
Das damals größte Sportereignis Ingolstadts, die 31.Deutschen Waldlaufmeisterschaften1958, wurden „Rund um den Auwaldsee“ veranstaltet. Rund 10000 Zuschauer verfolgten bei schönem Frühlingswetter die einmalig ausgerichtete Meisterschaft. Sogar Rundfunk, Fernsehen und prominente Pressevertreter lobten die Ingolstädter „Macher“, allen voran den ehemaligen MTV`ler Ludwig Jall, der als Bundeskampfrichterobmann die Vergebung nach Ingolstadt tatkräftig unterstützt hatte. Unter den rund 90 Läufern aus der Meisterklasse waren auch einige MTV-Läufer, die in der Mannschaftswertung immerhin den achten Platz belegten.
Ende 1958 mußte Abteilungsleiter Auer sein Amt wegen eines Studiums aufgeben und als sein Nachfolger wurde Dr. Josef Ferstl gewählt. Vereinsvorstand Wich dankte Auer für seine erfolgreiche Aufbauarbeit und die guten Fortschritte in der Abteilung.

Erstes Internationales Leichtathletik-Sportfest
Das 1. Internationale Hans-Steigauf-Sportfest wurde am 5. Juli 1959 im MTV-Stadion an der Jahnstraße ausgerichtet. Diese Veranstaltung des damaligen Kreises 10 wurde vorbereitet in Zusammenarbeit mit dem Donau Kurier, der Auto Union sowie den Ingolstädter Vereinen MTV 1881, ESV Ringsee und TV 1861. Hans Steigauf war in den Jahren 1913 und 1914 ein hoffnungsvolles deutsches Hochsprung-Talent und war aussichtsreichster Bewerber für die Olympiade 1916. Über 99 Preise holte er sich bei deutschen und internationalen Meisterschaften und Ingolstadt war stolz auf seinen erfolgreichsten Sportler. Große Hoffnungen hingen an ihm, aber sie wurden zunichte, als der erste Weltkrieg Ende 1914 seinem Leben ein allzufrühes Ende setzte. Über die Jahrzehnte blieb aber die Erinnerung an ihn und deshalb zu seinem Gedächtnis dieses international besetzte Sportfest. Athleten aus Österreich, Schweiz, Finnland und den deutschen Vereinen ASV Köln, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg, TSV Schwaben Augsburg, TS Jahn München, TS Regensburg, TG Würzburg und vielen anderen waren am Start. Schirmherr der Veranstaltung war der damalige Oberbürgermeister und Senator Dr. Listl, die Gesamtleitung hatte Kreisvorsitzender Karl Mittl. Interessant ist auch noch der Stadionsprecher, nämlich Harry Keukenschryver der spätere Sportwart des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes.
Im Jahre 1962 mußte Abteilungsleiter Dr. Ferstl wegen zu großer beruflicher Belastung sein Amt niederlegen. Da kein neuer Abteilungsvorstand gefunden wurde, übernahmen die Aktiven Sandmeier, Schnell, Luber und Schedl vorübergehend die Amtsgeschäfte.

Nach längerem Stillstand wird der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen
Mit dieser Meldung in der Zeitung und am schwarzen Brett konnten sich die MTV-Leichtathletikfreunde freuen, denn nach langer Pause wurde der Trainingsbetrieb endlich wieder aufgenommen. Die ersten Trainingsstunden zeigten schon einen regen Besuch, und manch früherer Leichtathlet nutzte die Gunst der Stunde. Aber es fehlte noch eine Führungsmannschaft. Die konnte MTV-Vorsitzender Peter Schnell im Januar 1967 der Abteilung präsentieren. Als Abteilungsleiter wurde wieder Alfred Auer gewählt, zu seinem Stellvertreter Karl Hofmeister. In der Ingolstädter Sportwelt hatte vor allen Dingen Beachtung, dass beim MTV einige gute Langstreckler beheimatet waren und zu Kipfelsberger, Müller, Wilhelm, Kröniger gesellte sich Ende 1969 nun Langstreckenspezialist Georg Schlittenbauer.

Eine neue Ära durch Kunststoffanlage
Eine zukunftsweisende Tat des Vereins war der Umzug von der Jahnstraße in die Bezirkssportanlage Mitte an der Friedhofstraße im Sommer 1971. Für den Sport in Ingolstadt – mitten im Herzen der Stadt – eine erfreuliche Tatsache und für die MTV-Leichtathleten die erste Kunststoffbahn in der gesamten Region. Wenn es auch nur ein rauher „Rubkor“ war, dennoch bescherte diese neue Anlage der Ingolstädter Leichtathletik erstmals in der Geschichte einen Länderkampf zwischen einer B-Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und einer belgischen Vertretung. Schirmherr dieser Veranstaltung war der damalige Oberbürgermeister Dr. Otto Stinglwagner, die Gesamtleitung hatte der BLV-Präsident Ludwig Jall, ein ehemaliger MTV`ler. Bekannte Athleten waren am Start, so die belgischen Langstreckler Puttemans und Roelants, sowie deutsche Spitzensportler wie Speerwerfer Wolfermann, Hochspringer Sieghart, Diskuswerfer Wagner und Hammerwerfer Klein.
Und noch etwas erfreuliches hatte die neue Anlage, denn durch den Platzverkauf der TV-Anlage waren deren Leichtathleten heimatlos und sie schlossen sich 1972 fast ganz dem MTV an. Unter ihnen waren bekannte Namen wie Hardy Händl, Herold Demel, Werner Funk, Hans Lang und nicht zu vergessen die großartig aufgebaute Nachwuchsgruppe um Bernd Schubert. Der Aufschwung in der MTV-Leichtathletik brachte es auch mit sich, dass wieder eine Mäd- chengruppe aufgebaut wurde.

Leichtathleten erfolgreicher denn je
In den Jahren nach 1972 machten die MTV-Leichtathleten immer öfter Schlagzeilen wie z.B. „Hardy Händl schlug wieder zu“ – „Maria Mödl lief Bestzeit“ – „MTV-Staffeln trumpften auf“ oder „MTV-Leichtathleten belegten vordere Plätze“. Insbesondere tauchten immer wieder die Namen von Hardy Händl, Hans Lang, Maria Mödl und Evi Schulz auf. Sie erreichten viele Erfolge bei Meisterschaften und Ländervergleichskämpfen,aber die wohl interessanteste Berufung dürfte die Einladung von Händl, Mödl und Schulz zum Städtevergleich München – Edinburgh gewesen sein. Der Name des noch jungen Hans-Peter Ferner tauchte vor allen Dingen zusammen mit den 4x400m- und 4x800m-Staffeln auf, die schon jahrelang zur bayeri- schen Spitze gehörten. Mit der Neugestaltung des Schülertrainings kam eine enorme Belebung in diese Gruppe. Die Trainingsarbeit von Übungsleiter Bernd Schubert und Alfred Auer war im Kreis beispielhaft.
Die hervorragenden Erfolge und das ständige Anwachsen der Abteilung brachte Ende 1975 eine zahlenmäßige und personelle Änderung der Abteilungsführung. Gustav Derbsch löste den bisherigen Abteilungsleiter Alfred Auer ab und führte mit kontinuierlicher Arbeit den MTV auf den zweiten Platz in Bayern.

Auf dem Weg zur Mittelstrecken-Hochburg
Im Leichtathletikjahr 1977 hielt der stete Aufwärtstrend der letzten Jahre an und die MTV-Athleten erzielten Leistungen und Erfolge, die in der Ingolstädter Leichtathletikgeschichte ihresgleichen suchten. Mit vorderen Plätzen bei deutschen Meisterschaften und zehn bayerischen Meistertiteln stellte die Leichtathletikabteilung ihre dominierende Rolle in Ingolstadt und der Region deutlich unter Beweis. Maria Mödl war hierbei über 800, 1500 und 3000m die erfolgreichste Athletin sowie die Junioren Hans Lang und Hans-Peter Ferner die die Strecken 400m und 800m beherrschten. Die 4x400m und 4x800m-Staffeln liefen sich immer mehr in den Vordergrund und der 15-jährige Armin Steller begann mit einer Entwicklung, auf die man gespannt war.
In der Saison 1978 übertrafen die MTV`ler die kühnsten Erwartungen und warteten mit Leistungen auf, die vor ein paar Jahren für Ingolstädter Leichtathleten noch als völlig utopisch galten. Den MTV-Läufern gelang unter der Obhut von Trainer Herold Demel der Durchbruch zur deutschen Spitze und in Bayern war der Name MTV Ingolstadt ein Qualitätsbegriff. Die Mittelstrecken waren fest in Ingolstädter Hand.
Diese Erfolge veranlassten den Bezirk Oberbayern den MTV für seine hervorragenden Verdienste um die Förderung der Leichtathletik zu würdigen. Die Abteilung entwickelte sich zu einer der leistungsfähigsten im MTV und erreichte einen Stand von etwa 300 Mitgliedern. 1979 gelang nach jahrelanger Aufbauarbeit der erste deutsche Meistertitel in den Nachkriegsjahren durch Hans-Peter Ferner über 800m bei den Hallenmeisterschaften in Berlin. Im gleichen Jahr konnten nach mehrmaligen Bewerbungsversuchen im MTV-Stadion die Bayerischen Staffelmeisterschaften ausgerichtet werden. Bedingt durch die gute Lage in Bayern gab es einen regelrechten Ansturm auf die zu vergebenden Staffeltitel und unter den etwa 60 teilnehmenden Vereinen stellte der MTV mit zehn Staffeln das größte Aufgebot. Mit der Unterstützung des Ausrüsters Puma konnte die Abteilung ihre Athleten/innen erstmals mit einheitlichen Trainingsanzügen und Trikotagen einkleiden. Abteilungsführungsmitglied Josef Merkl pflegte diese Verbindung und baute sie in den nächsten Jahren noch erheblich aus. Ein neues Vereinslogo zierte die Sportkleidung, denn ein neuzeitliches IN-MTV wurde von Abteilungsleiter Derbsch entwickelt.

Der Beginn des erfolgreichsten Jahrzehnts
Die Jahre zwischen 1980 und 1990 waren die erfolgreichsten in der MTV-Leichtathletikgeschichte. So werden die nächsten Abschnitte aus dieser Zeit Besonderheiten erzählen, die noch heute in aller Munde sind. Ermöglicht wurden diese herausragenden Jahre vor allen Dingen durch die Zusammenarbeit des damaligen Präsidenten Sepp Mißlbeck mit der Abteilungsführung und dem neu gebildeten Förderkreis. Auch der Einstieg von AUDI und Puma spielte eine wichtige Rolle.
Es begann damit, dass 1980 erstmals ein Jugendlicher Deutscher Meister wurde. Armin Steller war der Sieger über 1500 m, Hans-Peter Ferner wurde 1981 zum zweitenmal Deutscher Hallenmeister über 800m und die 4x800m-Staffel begann ihre großen Jahre. Es begannen die Jahre mit Jugendbegegnungen, Trainingslagern und dem Kräftemessen mit den Partnerstädten Ingolstadts wie Grasse (Frankreich), Kirkaldy (Schottland) oder Carrara in Italien.
Anläßlich der 100-Jahrfeier des Vereins veranstalteten die Leichtathleten 1981 ein internationales Sportfest mit Beteiligung von Athleten aus Deutschland, Italien, Österreich und Dänemark. Vor etwa 1000 Zuschauern waren bekannte Athleten wie Speerwerfer Klaus Tafelmeier, die Sprinter Haas und Weisenseel, sowie die 800m-Asse Herbert Wursthorn, Mathias Assmann, Klaus-Peter Nabein und H.P. Ferner zu beobachten. Diese Veranstaltung war nach dem „Internationalen“ in Fürth die zweitgrößte in Bayern. Interessant dabei noch, dass im MTV-Stadion die Zeiten erstmals elektronisch gemessen wurden.

Ingolstädter Mittelstreckler fordern USA-Elite heraus
Im Jubiläumsjahr 1981 bescherte die 4x800m-Staffel dem MTV das größte Geschenk. Sie kehrte von den Deutschen Staffelmeisterschaften aus Flensburg als neuer Meister zurück. Ein Glanzstück das seines gleichen sucht, denn sie erzielten mit der Zeit von 7:16,26 Minuten eine Weltjahresbestzeit. Trainer Herold Demel entschied sich für die Aufstellung mit Herbert Stark, Armin Steller, Hans Lang und Hans-Peter Ferner und hatte damit völlig richtig gelegen. Starke Staffeln wie die von Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart wurden geschlagen und die Presse meldete, dass der Flensburger Rekordlauf die USA-Spitzenmannschaften in Verlegenheit brachte. Eine Nachforschung ergab, dass die MTV-Staffel weit vor den besten USA-Staffeln rangierte und Flensburg bewies, was möglich ist. Diese 4x800m-Staffel war viele Jahre das Glanzstück der MTV-Mittelstreckler und war insgesamt zweimal Deutscher Meister und achtmal Deutscher Vizemeister.

MTV-Leichtathleten angelten sich mit Bert Sumser dicken Fisch
Mit dieser Schlagzeile machten die MTV-Leichtathleten weiterhin auf sich aufmerksam und mit einem Leichtathletik-Trainer der absoluten deutschen Spitzenklasse wurden die Erfolge geradezu herausgefordert. Mit Bert Sumser hatte man einen weitgereisten und in aller Welt angesehenen Sportphilosophen an Land gezogen , der seine Erfahrungen in Krefeld, Leverkusen und Fürth erwarb. Vor allen Dingen in Leverkusen feierte er seine größten Erfolge und führte z.B. Sprinter Armin Hary und Zehnkämpfer Willi Holdorf zu olympischem Gold. So nebenbei trainierte er auch noch Handballer und Eishockeyspieler, war Bundestrainer für Mittelstreckler und Sprinter und hielt Lehrgänge in Südafrika und Südostasien. Vielen MTV-Trainern war er ein Vorbild an gewissenhafter Arbeit, aber leider gab es auch welche die nichts lernen wollten.

Beginn der großen Sparkassen-Abschlußfeiern
Anläßlich des Deutschen Meistertitels durch das 4x800m-Staffelquartett wurde in den neuen PR-Räumen der Sparkasse Ingolstadt Ende 1981 ein Ehrenabend arrangiert. Dabei war viel Prominenz aus Sport und Politik anwesend. Oberbürgermeister Peter Schnell, der Bundestagsabgeordnete Horst Seehofer, die Landtagsabgeordneten Franz Götz und Manfred Dumann, der Sportwart des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes Harry Keukenschryver, eine Reihe von Stadträten und auch der Hausherr Sparkassendirektor Johannes Bauer würdigten den Erfolg der vier Helden Hans-Peter Ferner, Hans Lang, Herbert Stark und Armin Steller. Von diesem Abend an wurde jedes Jahr in den Sparkassen-Räumen eine große Abschlussfeier gestaltet, wo die Erfolge der MTV-Leichtathleten nochmals gebührend gefeiert wurden. Interessant war dabei, dass neben den Abgeordneten, Bürgermeistern und weiteren Ehrengästen auch oftmals Vertreter von Verbänden und Sponsoren anwesend waren. So war 1983 DLV-Leistungssportreferent Horst Blattgerste mit Bundestrainer Paul Schmidt vertreten, 1984 Charly Eierkaufer von Puma, 1986 AUDI-Vorstandsmitglied Andreas Schleef, 1989 BLV-Präsident Hartmut Schweitzer u.v.a.m. Ganz besondere Leistungen der Athleten wurden von MTV-Präsident Sepp Mißlbeck sogar mit goldenen Spikes ausgezeichnet, aber leider hatten diese Feiern im Jahre 1993 ihr Ende und ab 1994 wurde dann wieder in der MTV-Gaststätte gefeiert.

Erstmals Bayerische Männer/Frauen-Meisterschaften im MTV-Stadion
„Eine Premiere für Ingolstadt“ schrieb man im Fachorgan Bayernsport 1982, da vom BLV-Verbandsrat die bayerischen Meisterschaften der Männer und Frauen erstmals nach Ingolstadt vergeben wurden und diese dann vom 18. – 20. Juni im MTV-Stadion stattfanden. Eine Anerkennung für die jahrelange erfolgreiche Arbeit des gastgebenden Vereins waren der ausschlaggebende Grund. Die Veranstaltung selbst lief fast profihaft ab und erhielt von den Athleten viel Lob. Erfolgreichster Verein war der LAC Quelle Fürth mit 13 Titeln, doch der MTV Ingolstadt konnte sein Ziel, die Nummer zwei in Bayern zu werden, mit sechs ersten Plätzen erreichen. Christian Haas (LAC Quelle) und Michaela Schabinger (MTV) waren die Sprintkönige der Titelkämpfe, denn sie gewannen beide jeweils die 100 und 200 Meter. Die 400m und 800m-Strecken bei den Männern waren durch Peter Rauh und Hans-Peter Ferner fest in MTV-Hand und zum Abschluß der Veranstaltung gab es noch einen Knüller durch die MTV-4x400m-Staffel. In der Besetzung Hans Egger, Johannes Heling, Hans Lang und Hans-Peter Ferner erlief sie sich mit 3:11,46 Minuten einen neuen bayerischen Rekord.
Diese dreitägige Veranstaltung verlangte von den MTV-Verantwortlichen alles ab, aber die insgesamt etwa 3000 Zuschauer konnten interessante und dramatische Entscheidungen verfolgen. Fast sämtliche bayerischen Spitzenathleten wie z.B. Christian Haas, Hans-Peter Ferner, Christoph Herle, Dr. Hans Schicker, Michaela Schabinger, Brigitte Brückner, Doris Gutewort usw. waren am Start. Mit in die Meisterschaft integriert waren die Jugendstaffeln.
In den Jahren danach war der MTV dann oftmals Gastgeber von bayerischen Meisterschaften. Allerdings nicht mehr die Einzelkämpfe der Männer und Frauen, aber die Junioren, die Jugend, die Staffeln, die Mehrkämpfer und die Mannschaften wetteiferten im MTV-Stadion um Sieg und Punkte. Der MTV machte sich als großartiger Ausrichter einen Namen in Bayern.

Die Sensation durch Hans-Peter Ferner
Bis 1982 und auch noch danach war 800m-Ass Hans-Peter Ferner der „Weltenbummler“ unter den MTV-Leichtathleten. Bei vielen Berufungen ins Nationalteam und internationalen Veranstaltungen bereiste er viele Länder in Europa, Amerika, Asien usw. Sein Höhepunkt waren die Europameisterschaften 1982 in Athen, für die er sich in seiner Spezialdisziplin 800m qualifzierte. Alle Leichtathletik-Freunde in Ingolstadt fieberten mit ihm, als er auf der Zielgerade mit Weltrekordler Sebastian Coe gleichauf lag, sich sogar noch vorbeikämpfte und als Europameister durchs Ziel lief. Dieser Sieg war die Sensation von Athen und für den MTV der erste große internationale Erfolg. Diese Leistungsexplosion erklärte H.P.Ferner mit einem sehr gutem Grundlagentraining im Winter, eine erhöhte Schnelligkeits- und Sprint-arbeit, die er zuvor aus verletzungsbedingten Gründen nicht durchführen konnte und natürlich durch seine nun schon langjährige Erfahrung und Tempohärte. Ingolstadt bereitete ihm darauf einen überwältigenden Empfang mit Autokorso, Station am Rathausplatz mit vielen Anhängern und Ehrungen durch die Ingolstädter Prominenz aus Politik und Wirtschaft.
In diesem Jahr 1982 konnte die Ingolstädter Leichtathletik noch weitere große Erfolge feiern. Resi März und Michaela Schabinger holten beide Frauensprint-Titel bei den deutschen Meisterschaften nach Ingolstadt. Sie siegten bei den Frauen und Juniorinnen jeweils über die 100 Meter und der „alte Hase“ Hardy Händl holte sich erstmals einen deutschen Meistertitel über 800m in der Altersklasse M40.

Durchs Treppenhaus nach oben
Tradition verpflichtet. Das weiß auch das neue Präsidium des MTV um den neu gewählten Vereinsboß Sepp Mißlbeck und hatte Ende 1981 sich die Dienste von Bertl Sumser, dem erfolgreichsten Leichtathletik-Trainer der Nachkriegszeit, gesichert. Ab diesem Jahr 1981 gab es viele Jahre eine ganze Reihe von talentierten Neuzugängen. Namen wie Resi März, Michaela Schabinger, Helga Nusko, Rita Knoll, Alois Hannecker, Helmut Reinelt, Birgit Clarius, Michael Neugebauer, Frank Kobor u.v.a. waren darunter. Sumser warnte: „Wir fahren nicht mit dem Lift nach oben, sondern laufen schön brav durchs Treppenhaus“. Diese Warnung konnte aber nicht durchgesetzt werden, denn der Name Sumser wirkte wie ein Magnet auf die Athleten aus ganz Bayern. Auch die Wiederwahl von Gustav Derbsch zum Abteilungsleiter konnte diesen Ansturm nicht beeinflussen, denn er sollte als Bremser wirken für die vielen Anfragen beim MTV. Leistungssport kostet Geld, das wusste auch Präsident Mißlbeck und gründete deshalb kurz nach seiner Wahl einen Förderverein, der den Etat der Abteilung sichern sollte. Die Firmeninhaber Peter Praunsmändtl und Günter Ischwang leiteten diese Förderer der MTV-Leichtathletik.
1983 war es dann soweit, die MTV-Leichtathleten eroberten die Spitze Bayerns, denn bei den Hallenmeisterschaften eroberten sie mehr Titel als Quelle Fürth. BLV-Sportwart Harry Keukenschryver bemerkte zurecht: Was sich schon längere Zeit andeutete, dass die tüchtigen Ingolstädter dem LAC Quelle Fürth den ersten Rang ablaufen, hat sich nunmehr bewiesen ! Es gab 1983 aber auch noch internationale Begegnungen beim MTV, denn die kanadische Weltmeister-Mannschaft schlug ihr Trainingslager in Ingolstadt auf. Geschäftsführer Josef Merkl hatte alle Hände voll zu tun die Athleten wie Angela Taylor oder Angela Bailey gesund und gut vorbereitet zum Flug nach Helsinki zu bringen. Gleichzeitig war dann noch eine kleine dänische Gruppe anwesend und auch Athleten aus der Partnerstadt Carrara.

MTV Bundesstützpunkt und Magnet für Bayerns Leichtathleten
Bei der Meisterschaftsfeier Ende 1983 vermeldete Präsident Mißlbeck ganz stolz, dass der MTV Ingolstadt vom Deutschen Leichtathletik-Verband zum Bundesstützpunkt ernannt wurde. Dies war das Ergebnis der jahrelangen intensiven Arbeit und einiger Kaderathleten im Kreise der MTV-Leichtathleten. DLV-Leistungssportreferent Horst Blattgerste und Bundestrainer Paul Schmidt reisten extra nach Ingolstadt um mit den MTV`lern diese Ernennung zu feiern. Zum Bundesstützpunktleiter wurde Herold Demel auserwählt und er hatte die schwierige Aufgabe die Zusammenarbeit mit dem DLV zu koordinieren.
Für die Saison 1984 hatte der MTV 25 Neuzugänge zu verzeichnen, so viele wie noch nie vorher und nachher. Die Tatsache, dass der MTV zum Bundesstützpunkt ernannt wurde war hier die ausschlaggebende Voraussetzung, aber auch überzeugendes Management, solide Organisation, optimale Athletenbetreuung und ein gutes Betriebsklima. Es gab Verstärkungen im Sprint-, Sprung- und Mittelstreckenbereich. Nachdem sich der qualifizierte Wurftrainer Siegfried Becker aus München dem MTV anschloß und mit ihm seine Ehefrau und Speerwerferin Marion Becker, das Diskustalent Alois Hannecker und Speerwerferin Rita Knoll und manch andere, wurde auch der Wurfbereich beim MTV interessant.
Mit den Trainern Bert Sumser, Herold Demel, Siegfried Becker, Eva Wilms, Johannes Heling, Wolfgang Schabinger und Johannes Maier meisterte man die erfolgreichsten Jahre der MTV-Leichtathletik. Auch die Trainingsvoraussetzungen wurden durch eine erneuerte Kunststoffanlage im MTV-Stadion wesentlich verbessert. Der Mitgliederstand in der Abteilung näherte sich der 400-Grenze, was auch immer als Ziel gesetzt wurde.

Erste Halbmarathon-Läufe in Ingolstadt
Schon etwa 20 Jahre vor dem Sport-IN-Halbmarathon richtete der MTV Ingolstadt zusammen mit dem damaligen Kreis Donau/Ilm in den Jahren 1983 und 1984 Läufe über die halbe Marathondistanz aus.
Die Streckenführung begann damals bei der Sportecke Müller, dem Sponsor, und nach einer Innenstadtumkreisung lief man über den Luitpoldpark, der Staustufe, der Antoniusschwaige in Richtung Gerolfing. Von hier aus ging es dann zurück in Richtung Klinikum, durch die Moosgärten zum MTV-Stadion. Beide Male konnte bei den Männern der MTV`ler Steven Hollewell siegen und bei den Frauen war 1983 Maria Mödl erfolgreich. Rund 500 Läufer hatten sich damals jeweils beteiligt und die „Stadtläufe“ begannen immer beliebter zu werden. Anläßlich dieser Erfahrung von Langstrecken-Läufen wurde der Kreis und der MTV im Jahr danach (1985) mit der Ausrichtung der Oberbayerischen 25 km-Meisterschaft betraut. Die Streckenführung war ähnlich, auch in Richtung Gerolfing und etwa 350 Läufer aus 51 Vereinen liefen um den Titel. Den holte sich der MTV-Läufer Richard Grad.

Olympiaden mit MTV-Athleten
Viel Optimismus, Begeisterungsfähigkeit, viele Gleichgesinnte und ein fantastischer Präsident Sepp Mißlbeck brachten die MTV-Leichtathletik an die Spitze Bayerns und mit führend im deutschen Lande. Dies führte auch dazu, dass der MTV Athleten bei Olympiaden stellte. So wurden 1984 in Los Angeles Hans-Peter Ferner über 800m und Michaela Schabinger für die 4x400m-Staffel nominiert. 1988 in Seoul war Diskuswerfer Alois Hannecker und wiederum Michaela Schabinger in der 4x400m-Staffel dabei und 1992 vertrat Siebenkämpferin Birgit Clarius den MTV bei der Olympiade in Barcelona. Es machten sich aber auch noch andere MTV-Größen Hoffnung auf eine Teilnahme bei Olympia. So scheiterten z.B. Sprinterin Resi März, Zehnkämpfer Michael Neugebauer oder Diskuswerferin Doris Gutewort nur knapp an den Qualifikationen.

Eine Saison der Superlative
Das war 1984 die Schlagzeile im Fachorgan „ Bayensport“ auf die bis dahin erfolgreichste Saison der MTV-Leichtathleten. Bereits zum vierten Mal traf sich die große MTV-Leichtathletik-Familie daraufhin in den Räumen der Sparkasse Ingolstadt. Präsident Mißlbeck begrüßte viele Ehrengäste, Sportler und Vereinsmitglieder, auch anderer Abteilungen. In seiner Ansprache betonte er, dass es für ihn Jahr für Jahr eine Sternstunde sei, an der Feier teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass das „IN“ auf der Brust der Athleten sicherlich zu einem kostenlosen Werbeffekt für die Stadt beitrage und dass die hervorragende Zusammenarbeit in der Abteilung und mit dem Förderkreis die Voraussetzungen für die Saison der Superlative schaffte. Diese endete mit der Olympiateilnahme von Michaela Schabinger und Hans-Peter Ferner, zwei deutschen Meistertiteln, sechs deutschen Vizemeistern, 26 Endlauf- bzw. End-kampfteilnehmern bei den „Deutschen“, der Qualifikation der Frauenmannschaft für die Bundesliga-Endrunde, der Sieg der Männermannschaft beim Bayern-Cup, sowie 29 bayerischen Meistertiteln.
Die Jahre von 1984 bis 1988 waren dann die herausragendsten in der Geschichte der MTV-Leichtathletik. 1986 z.B. gab es drei deutsche Meister und 30 bayerische Meister, 1987 vier deutsche und 35 bayerische Titelträger und 1988 drei deutsche Meistertitel und 33 bayerische.

Viele Nationalmannschaftseinsätze
Gute Leistungen werden auch seitens des Deutschen Leichtathletik-Verbandes honoriert und anerkannt. Darum kamen MTV-Leichtathleten oftmals zu Nationalmannschaftseinsätzen. Alle Nominierungen aufzuzählen ergäbe eine lange Liste, aber im Jahr 1985 konnten zehn Einsätze zu internationalen Wettkämpfen verbucht werden, so viele wie noch nie.
Alois Hannecker, Doris Gutewort und Mechthild Schönleber waren zu einem Werfer-Länder kampf in Helsinki geladen, Hans-Peter Ferner zum Ländervergleich USA – Frankreich – Italien – Deutschland in Monaco, Resi März und Doris Gutewort zum Frauen-Länderkampf Deutschland – Polen – Bulgarien in Heidenheim und Helga Nusko zum Mehrkampf-Länder-vergleich UdSSR gegen Deutschland in Sotchi. Daß der DLV vor allem auf die Jugend setzt, erfuhren die MTV-Athletinnen Elke Krammel, Mechthild Schönleber und Rita Knoll, als sie die Einladung zum „Westathletik-Championship“ in Zug in der Schweiz erhielten.
Dort trafen die DLV-Athletinnen auf die Nationen Belgien, Niederlande, Österreich, Schweiz und Luxemburg, während Frankreich, Italien und der DLV mit einer Altersgruppe bis 22 Jahren vertreten waren.
Diese Nationalmannschaftseinsätze waren für die MTV-Athleten und Athletinnen sicher eine gute Chance, sich für weitere Aufgaben im Nationaldreß zu empfehlen.

Trimm-Trab spielte auch eine Rolle
Die Trimm-Trab-Bewegung erreichte auch den MTV Ingolstadt. Mit wöchentlichen Lauf-Treffs hat man vielen Interessierten die Gelegenheit gegeben, sich der Laufbewegung anzuschließen. Abteilungsleiter Gustav Derbsch selbst hat etwa 25 Jahre diese Bewegung gepflegt und dabei vielen Ungeübten das Laufen gelehrt. Diese Laufveranstaltungen wurden von den Sportfirmen und Gesundheitskassen gefördert, und so kam es, dass 1985 mit Puma ein Trimm-Trab ins Grüne vom MTV-Stadion aus gestartet wurde. Besondere Attraktion war dabei, dass die „tschechische Lokomotive“ Emil Zatopek vor die Aktion gespannt wurde. An die 100 Lauffans trafen sich im Stadion, um nach einer ausgiebigen Autogrammstunde mit Zatopek ins Grüne zu traben. Der damalige BLV-Präsident Hartmut Schweitzer gab dazu den Startschuß, und während es durch die schönen Donau-Auen ging, gabs gratis Laufunterricht von Emil Zatopek.
1986 wurde dann die offizielle landesweite Trimm-Trab-Eröffnung nach Ingolstadt vergeben. Mit Unterstützung der AOK, der Sparkasse und Audi war das MTV-Stadion Treffpunkt von 300 Laufbegeisterten. Zugpferde waren diesmal die Europameister Hans-Peter Ferner und Peter Braun. Zum Auftakt spielte die Audi-Werkskapelle.

Spitzenposition in Bayern
Vier Weltmeisterschaftsteilnehmer, fünf deutsche Meister, 29 deutsche Endkampfplazierungen und 35 bayerische Meister bestätigten die absolute Spitzenposition der MTV-Leichathleten im Jahre 1987. In Bayern also an der Spitze und in Deutschland mit führend zeigen eine Tendenz die seit Jahren zu erwarten war.
Zuvor 1986 wurden im MTV-Stadion die bayerischen Mehrkampfmeisterschaften ausgerichtet. Da gab es auch schon einen totalen Triumph für die MTV-Athleten, denn von den acht zu vergebenden Titel holten sie vier für den Gastgeber. Zehnkämpfer Michael Neugebauer gewann bei den Männern mit einem Weltklasseergebnis von 8112 Punkten, Juniorenmeister wurde Bruno Chirco mit 7463 Zählern, die Männermannschaft holte sich den Titel und die Juniorin Sabine Schwarz sicherte sich im Siebenkampf mit 5670 Punkten die Meisterschaft.
Ebenfalls 1986 wurde erstmals im MTV-Stadion ein nationales Werfer-Meeting ausgetragen. Hierbei konnten gleich drei neue deutsche Rekorde aufgestellt werden. Bekannteste Starter waren die Diskuswerfer Ralf Danneberg, Alwin Wagner und Alois Hannecker, sowie die Kugelstoßerinnen Iris Plotzitzka, Stefanie Storp und Vera Schmidt. Man wollte dieses Werfer-Meeting die Jahre danach wiederholen, aber zu geringer Zuschauerzuspruch und zu hohe Kosten verhinderten eine nochmalige Auflage.

Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften
Bei den höchsten Meisterschaften in der Leichtathletik waren unzählige MTV-Athleten und -Athletinnen nominiert. So waren bisher 15 MTV`ler bei Weltmeisterschaften u.a. in Helsinki, Rom, Sydney, Edmonton oder Brisbane. Zu Europameisterschaften gab es 16 Berufungen und bei den Europacups waren 9 MTV`ler vertreten. Im Jahr 1987 fanden die Weltmeisterschaften in Rom statt und der MTV konnte dazu Alois Hannecker (Diskus), Michael Neugebauer (Zehnkampf), Resi März (4x100m) und Michaela Schabinger (4x400m) entsenden, die höchste Zahl an Nominierungen die es je gab.
1987 hieß es auch „MTV-Leichtathletik-Damen Zweite in der DMM-Bundesliga“. Dies war der größte Mannschaftserfolg in der MTV-Leichtathletik-Geschichte. Bekannte Vereine wie SCC Berlin, USC Mainz, LG Frankfurt oder Thier Dortmund konnten weit übertroffen werden und man musste sich nur der übermächtigen LG Bayer Leverkusen beugen. Die Männer-Mannschaft belegte unter 18 teilnehmenden Mannschaften einen guten Mittelplatz (9.).

Befürchteter Aderlaß – aber die Lichter gehen nicht aus
MTV-Geschäftsführer Josef Merkl, verantwortlich für den Leistungssport, trat im Jahre 1986 wegen Auseinandersetzungen mit Präsident Sepp Mißlbeck aus dem Verein aus und gründete in München einen Konkurrenzverein, den „LC Olympiapark“. Man befürchtete daraufhin, dass viele MTV-Athleten den Verein verlassen würden, aber dies war vorerst nicht der Fall. Im Gegenteil, der MTV bekam wieder einige „Blutauffrischung“ und der sportliche Leiter der Leichtathletikabteilung Herold Demel verkündete stolz „bei uns gehen die Lichter nicht aus“ ! Die Verantwortlichen in der Abteilung waren gewillt, mit hohem Engagement die Weichen zu stellen, dass auch in Zukunft in Ingolstadt eine attraktive Leichtathletik betrieben werden kann. Es war allerdings eine gewisse Abgrenzung nach oben vorgegeben, denn Mißlbeck erklärte: „Wir können und wollen nicht die Großvereine nachahmen“ !
Ende 1990 war es dann schon wieder aus mit dem LC Olympiapark. Finanzielle Schwierigkeiten sorgten für die Auflösung des aus dem „Nichts“ aufgebauten Verein, und so mancher abgewanderte Athlet oder Athletin wird den Weg dorthin bereut haben.

Nachwuchs auf deutscher Ebene erfolgreich
1988 konnten die MTV-Männer und –Frauen keinen deutschen Titel nach Ingolstadt holen, aber dafür sprangen in diesem Jahr die Junioren ein. Die schnellste 4x100m-Juniorenstaffel in Deutschland stellte der MTV Ingolstadt. Das Quartett mit Alexander Lechner (18 Jahre), Frank Kobor (21), Hubert Bruckmeier (21) und Thomas Koppensteiner (20) distanzierte alle anderen Staffeln mit der ausgezeichneten Zeit von 40,28 Sekunden. Seit Jahren versuchte Sprint-Trainer Johannes Maier mit Junioren-Staffeln sein Glück, in diesem Jahr hat er es endlich geschafft. Frank Kobor war außerdem noch Schnellster über 200 m und holte sich mit 21,24 Sekunden die Goldmedaille. Mittelstrecklerin Gabi Schwarzbauer hätte fast für den dritten Titelgewinn gesorgt, aber sie setzte zu spät mit dem Schlussspurt an und wurde Vizemeisterin. Welch ein großes Talent sie war, bewies sie dann im nächsten Jahr, denn sie holte über 1500m den deutschen Meistertitel bei den Juniorinnen und den Frauen. Mehrkampftalent Jürgen Böhnke war Deutschlands Bester beim Blockmehrkampf der Schüler.

Die große Leichtathletik-Meetings im MTV-Stadion begannen
Im Oktober 1988 feierte Bert Sumser seinen 75. Geburtstag. Der überaus rüstige Leichtathletik-Philosoph arbeitete nun schon sieben Jahre beim MTV und er war es, der die Idee hatte, ein Deutsches Leichtathletik-Meeting für Athleten aus Deutschland-West und –Ost in Ingolstadt auszurichten. Bei dieser Geburtstagsfeier, mit viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft, wurde zu dieser Idee volle Unterstützung zugesagt und so kam es, dass im Jahr danach (1989) im MTV-Stadion das 1. Deutsche Leichtathletik-Meeting stattfand. Die Schirmherrschaft übernahmen Oberbürgermeister Peter Schnell und der Audi-Vorstandsvorsitzende Dr. Ferdinand Piech. Aus dieser Zusammensetzung sieht man schon, dass dieses Meeting von der Stadt Ingolstadt und Audi voll akzeptiert wurde und auch DLV-Präsident Helmut Meyer zog ein gelungenes Fazit über dieses „Pilotprojekt“. Zwei bundesdeutsche Jahresbestleistungen durch Ulrike Savari über 100m und Karin Jahnke über 400m und das Diskus-Duell zwischen Exweltrekordler Wolfgang Schmidt und Ex-Olympiasieger Rolf Danneberg waren die Glanzlichter dieses Meetings vor mehr als 2000 Zuschauern.
Fast 3500 Zuschauer waren dann 1990 vor allen Dingen begeistert von den DDR-Athletinnen Katrin Krabbe, Heike Drechsler, Grit Breuer und Petra Felke. Im Mittelpunkt standen wieder die Diskuswerfer Schmidt und Danneberg, außerdem begannen die spannenden Hochsprungwettbewerbe mit Heike Henkel.

Neuorientierung war notwendig
Die Vorherrschaft in der bayerischen Leichtathletik ging bei den Hallentitelkämpfen Anfangs 1990 wohl verloren. Der eine oder andere Abgang nach München machte sich nun doch bemerkbar. Aber dafür landeten die Sprinter bei den Hallen-Meisterschaften große Erfolge. Fünf MTV-Athleten unter den ersten acht über 60 m, sechs Lilaweiße unter den ersten acht über 200 m und gar ein Dreifachsieg über 400 m und dazu Staffelsiege über 4x200 m und 4x400 m ließen eine gewisse Neuorientierung erkennen. Aber schon Ende 1990 konnte man aus der „Konkursmasse“ des LCO München wieder mit kräftigen Zuwächsen, vor allen Dingen auf den Mittelstrecken, zur bayerischen Spitze vorstoßen. Einigen Anfragen aus der ehemaligen DDR hatte man ganz bewusst verzichtet, da man sich nicht auf unnötige Doping-Diskussionen einlassen wollte. Für die Zukunft setzten die MTV-Leichtathleten auch weiterhin auf eine starke Nachwuchsarbeit. Die Nachwuchstrainer Alfred Auer, Wilfried Glöckner, Jochen Jablonowski und Johannes Maier wurden deshalb vom Bayerischen Leichtathletik-Verband für die beste Schüler- und Jugendarbeit im Freistaat ausgezeichnet.
Ebenfalls 1990 wurde Birgit Clarius deutsche Siebenkampfmeisterin und dieser Sieg brachte ihr die Nominierung zu den Europameisterschaften in Split.
1991 wurde im MTV-Stadion der Bayern-Cup-Endkampf, die bayerischen Mannschaftsmeisterschaften der Männer und Frauen, ausgerichtet. Glanzpunkt dieser Veranstaltung war der Sieg der MTV-Frauenmannschaft in deren Reihen so bewährte Athletinnen wie Birgit Clarius, Sabine Schwarz, Vera Schmidt, Barbara Beuge und Gabi Schwarzbauer für die überlegenen Punkte sorgten. Die MTV-Männermannschaft erzielte einen ausgezeichneten zweiten Platz.

Carl Lewis 1992 im MTV-Stadion
Ein Leichtathletikfest der Superlative war das 4. Deutsche Meeting im MTV-Stadion. Angesichts der nun schon 15 teilnehmenden Nationen bekam die Veranstaltung immer mehr internationalen Charakter und wurde deshalb in den darauffolgenden Jahren als Internationales Sportfest bezeichnet. Superstar Carl Lewis veranlasste, dass 87 Journalisten aus der ganzen Welt anreisten und 7000 Zuschauer das Stadion fast zum Überlaufen brachten. Die Bemühungen von Hauptsponsor Audi, ein attraktives Meeting mit hochkarätigem Starterfeld zu präsentieren, ist vollauf gelungen. Stadionsprecher Dieter Adler, bekannt durch Funk und Fernsehen, konnte das Ingolstädter Publikum regelrecht mit großen Namen und Leistungen verwöhnen. Der Santa Monica Track Club stellte eine USA-4x100m-Staffel mit Mark Witherspoon, Leroy Burell, Carl Lewis und Mike Marsh die mit 38,10 Sekunden die zweitschnellste Zeit des Jahres lief. Die kanadische Staffel mit Startläufer Ben Johnson wurde klar distanziert. Zweiter Höhepunkt waren die übersprungenen 2,03m beim Hochsprung durch Heike Henkel, die von den Fans frenetisch angefeuert wurde. Aber auch andere Athleten brachten hervorragende Leistungen. So u.a. Floyd Heard über 200m, George Kersh über 800m, Juriy Rybin beim Speerwurf, Silke Knoll über 200m oder Franka Dietzsch beim Diskuswurf. Dieses Meeting war bisher das absolute Highlight unter den Ingolstädter Sportveranstaltungen.
Beim Meeting 1993 waren dann schon 18 Nationen vor 3500 Zuschauern am Start und beim 6. Internationalen Meeting 1994 nahmen 24 Nationen teil und Carl Lewis lockte wiederum eine Menge Zuschauer an (5000).

75 Jahre MTV-Leichtathletik
1995 feierte die MTV-Leichtathletikabteilung ihr 75-jähriges Bestehen. Mit den Bayerischen Staffelmeisterschaften, dem 7. internationalen Leichtathletik-Meeting und einem Sommerfest im Vereinsheim, wo viele Mitglieder, Freunde und Gönner anwesend waren, wurde dieses Jubiläumsjahr gefeiert. Bei den Staffelmeisterschaften konnten die MTV-Läufer nicht an frühere Erfolge anknüpfen und erreichten lediglich eine Silbermedaille über 4x800m der Männer. Das 7. große Meeting im MTV-Stadion sah vor 3000 Zuschauern Athleten aus 25 Nationen in den Wettkämpfen. Bekannteste Starter waren Emmanuel Tuffour, Reuben Chesang, Christopher Koskei, Mike Fenner, Lars Riedel, Heike Drechsler und Heike Henkel. Nach diesen erfolgreichen 75 Jahren konnten die MTV-Leichtathleten schon sechs Olympia-, acht Weltmeister chafts-, acht Europameisterschaftsteilnehmer, 30 Deutsche Meister sowie etwa 350 bayer- ische Meister stellen.
Zuvor in den Jahren 1993 und 1994 gab es noch interessante Stationen in der Leichtathletik-Geschichte. 1993 wurde Abteilungsleiter Gustav Derbsch als Vizepräsident in die Vereinsführung gewählt und 1994 mußte erstmals ein Abteilungs-Zusatzbeitrag erhoben werden, um die steigenden Sportkosten zu unterstützen. Ebenfalls 1994 mußten die Abschlussfeiern wieder im Vereinsheim stattfinden, da die Sparkasse die Räumlichkeiten für anderweitige Veranstaltungen benötigte.
Ende 1995 konnte Derbsch sein „Regiment“ an einen jüngeren abgeben. Nach jahrelanger Suche nach einem Nachfolger übernahm Werner Funk die Abteilungsführung und dieser setzte voll auf den Nachwuchs und legte einen klaren finanziellen Kurs fest. Dieser war notwendig, da die Mittel aus Verein und Wirtschaft immer geringer wurden und dadurch auch die Leistungsfähigkeit der Abteilung zu leiden hatte.

Deutscher Stabhochsprung-Rekord durch Tim Lobinger
Weniger ist manchmal mehr. Das zeigte das 8.Internationale Leichtathletik-Meeting im MTV-Stadion. Denn obwohl die 130 000 Mark teure Veranstaltung nur noch halb so viel kostete wie ihre Vorgänger, überboten die Leistungen das Meiste bisher Dagewesene. Da das Meeting lange Zeit in Frage gestellt war, denn Audi zog sich aus der Organisation zurück und verkürzte auch erheblich die finanzielle Unterstützung, musste Abteilungsleiter Werner Funk vieles selbst in die Hand nehmen. Er war überglücklich über die 3500 begeisterten Zuschauer und über die gezeigten tollen Leistungen. So stellte der Leverkusener Tim Lobinger mit 5,86 Metern einen neuen Deutschen Rekord im Stabhochsprung auf. Die Ukrainerin Inga Babakova und die Bulgarin Stefka Kostadinowa erzielten im Hochsprung mit 2,02m eine Weltjahresbestleistung.
Ein Jahr darauf, beim 9. Meeting 1997 wurde es dann noch besser. Vor 4500 Zuschauern verbesserte erneut Tim Lobinger den deutschen Stabhochsprungrekord auf 5,96m. Der Stabhoch-Wettbewerb war mit Sergej Bubka, Okkert Brits und Danny Ecker sehr stark besetzt. Aber auch Colin Jackson, Mike Marsh, Floyd Heard, Steve Lewis, Raymond Hecht oder Astrid Kumbernuss begeisterten die vielen Zuschauer.
Nachdem bei den bisherigen Meetings Bert Sumser und Berni Becks als Meeting-Direktoren fungierten, war es 1997 Robert Wagner aus Linz. Berni Becks verstarb zuvor ganz unerwartet und überraschend.
Beim 10. Jubiläums-Meeting übernahm erstmals Hans-Peter Ferner neben Robert Wagner die Organisation und dieses Meeting war der letzte Test vor den Europameisterschaften. Hier traten meistens die deutschen Athleten hervor, denn Stabhochspringer Danny Ecker und Weitspringerin Heike Drechsler erzielten deutsche Jahresbestleistungen, Kugelstoßer Oliver-Sven Buder und die DLV-4x100m-Frauenstaffel konnten überzeugen.

Überragende Erfolge bei den Junioren und der Jugend
1997 übernimmt Herold Demel, nach 26 Jahren als Sportlicher Leiter, die Führungsposition in der Leichtathletikabteilung. Mit ihm wurde die durch Werner Funk neu eingeleitete Förderung der Nachwuchsarbeit weiter betrieben und siehe da im darauffolgenden Jahr 1998 konnten schon die erwarteten Früchte eingefahren werden. In diesem Jahr gab es keine Erfolge der Männer und Frauen bei deutschen Meisterschaften, aber dafür sprangen die „Jungen“ ein.Fünf deutsche Meistertitel durch Stefan Bönisch über 400m Hürden der Junioren, durch die A-Jugendliche Kerstin Seitz über 400m in der Halle und durch drei Titel für die 4x100m und 4x400m Juniorinnen- bzw. Jugendstaffeln mit den Sprinterinnen Mirjam Wallner, Kerstin Seitz und den Geschwistern Weißmann konnten erreicht werden. Diese Erfolge beflügelten die Abteilung in den Jahren 1999 und 2001 Bayerische Meisterschaften für den Nachwuchs im MTV-Stadion auszurichten. 1999 waren es die Titelkämpfe für Junioren und B-Jugendlichen. Dabei sammelten vor allen Dingen die MTV-Juniorinnen mit vier von sechs MTV-Siegen eine Reihe von starken Leistungen. 2001 bei den A-Jugendmeisterschaften kämpften rund 400 Athleten um die Medaillen, aber es gab kein Gold für die MTV-Athleten.

Beginn der Erfolge der MTV-Siebenkämpferinnen
Andrea Seitz (nun Tittmann), eines der Eigengewächse der MTV-Leichtathletik, wollte, dass sich ein starkes Siebenkampf-Team um sie scharte. Sie schaffte es durch ihren Bekanntheitsgrad in der deutschen Mehrkampf-Szene, dass sich immer wieder gute Siebenkämpferinnen dem MTV anschlossen. So kam es, dass Mehrkampf-Trainer Karl Eberle 1999 ein starkes „blondes“ Team bei den deutschen Meisterschaften betreute. Andrea Seitz, Kathrein Schroeder und Sinnika Schneider holten sich in Lage den erhofften deutschen Mannschaftssieg vor Athletinnen der Renmmierklubs von Bayer Leverkusen und USC Mainz. 2002 gelang dann dieser Erfolg wieder, diesesmal mit Sabine Krieger, Annelie Schrader und Andrea Tittmann. Andreas größter Erfolg folgte 2003 mit dem deutschen Meistertitel in der Siebenkampf- Einzelwertung. Das waren aber nicht die einzigen Erfolge der MTV-Siebenkämpferinnen, denn Einladungen zu Länderkämpfen und Europacups waren die Folge. In die deutschen Siebenkampf-Mannschaften wurden in den Jahren 1999 – 2005 des öfteren Sabine Smieja, Sabine Krieger und Annelie Schrader berufen.
Viele Verletzungen haben Andrea Tittmann immer wieder heimgesucht und so kam es, dass die Siebenkampf-Mannschaft seit 2005 nicht mehr in dieser Stärke auftreten konnte.

Das Ende der Internationalen Meetings
Beim 11. großen Leichtathletik-Meeting (1999) im MTV-Stadion machte der Wettergott einen starken Strich durch die Wettkampfrechnung, denn Dauerregen veranlasste, daß nur 2500 Zuschauer den widrigen Verhältnissen trotzten. Bei Platzregen gab es aber trotzdem sechs neue Meeting-Rekorde und es gab viele prominente Starter wie Noureddine Morcelli, Colin Jackson, Stacy Dragila, Florian Schwarthoff, Tim Lobinger oder Heike Drechsler. Interessant war der erstmals ausgeführte Frauen-Stabhochsprung, der aber unter der schlechten Witterung litt. Das 12. Meeting im Jubiläumsjahr 2000 konnte dann wieder bei prächtigem Sommerwetter ausgerichtet werden. Daß das Meeting einmal mehr ein Erlebnis für die 3000 Zuschauer wurde, dafür sorgten Daniel Komen, Dennis Mitchell, Okkert Brits, Florian Schwarthoff, Sven-Oliver Buder, Tim Lobinger und Yvonne Buschbaum, die einen neuen deutschen Stabhochsprung-Rekord aufstellte. Zwei spannende und hochklassige Stabhochsprungwettbewerbe, für Männer und Frauen, waren beim 13. internationalen Leichtathletik-Meeting (2001) zweifellos die Höhepunkte. Bei den Männern siegte Lars Björgeling vor Tim Lobinger und bei den Frauen Monika Pyrek, mit polnischem Landesrekord, vor Pavla Hamackova und Carolin Hingst. Über 100m glänzte Donovan Bailey, über 110m Hürden Colin Jackson und MTV-Neuzugang Oliver-Sven Buder stieß die Kugel auf die zweitbeste Weite.
Leider war dieses 13. Meeting das letzte in dieser Art, denn Hauptsponsor Audi zog sich wegen zu wenigem Zuschauerzuspruch zurück . Das Ingolstädter Internationale Leichtathletik-Meeting war Geschichte. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen und die Abteilung kann stolz sein viele Jahre das größte Leichtathletik-Event von Bayern in Ingolstadt veranstaltet zu haben. Insgesamt etwa 50 000 Zuschauer sahen über 2000 Athletinnen und Athleten aus 57 Nationen. Darunter Weltstars wie Carl Lewis, Leroy Burell, Ben Johnson, Colin Jackson, Sergej Bubka, Noureddine Mourcelli, Daniel Komen, Lars Riedel, Heike Henkel, Heike Drechsler, Tim Lobinger oder Florian Schwarthoff. Neben drei deutschen Rekorden wurden auch sieben andere nationale Rekorde aufgestellt, sowie zwei Weltjahresbestleistungen und mehrere deutsche Jahresbestleistungen.

Von der Breite an die Spitze – Talente beim MTV
Mit einer Lokalsport-Reihe „Spitzensport in Ingolstadt“ ging der Donau-Kurier im Jahr 2001 auch auf die Verhältnisse in der Ingolstädter Leichtathletik ein. Darin wurde festgestellt, dass der MTV in den 80er Jahren eine ausgezeichnete Adresse in Deutschland war. Hoffnungsvolle Nachwuchskräfte sollten an die tollen Zeiten anknüpfen, doch der ganz große Wurf gelang jedoch nicht. Wenn man die Entwicklung des MTV-Nachwuchses in den 80er Jahren und danach betrachtet, muß man feststellen, dass von vielen Talenten nur ganz wenige den Weg an die deutsche und bayerische Spitze in den Erwachsenenklassen schafften. Einzige Ausnahmen waren Andrea Seitz (nun Tittmann/Siebenkampf), Stefan Bönisch (400m Hürden), Gabi Schwarzbauer (Mittelstrecken) und Armin Steller, ebenfalls Mittelstrecken. Andrea Seitz und Stefan Bönisch gehörten mehrere Jahre der deutschen Spitze an, Gabi Schwarzbauer und Armin Steller gelang dies nur kurzzeitig. Auf bayerischer Ebene waren Mehrkämpfer Jürgen Böhnke, die Sprinter Hubert Bruckmeier und Uwe Rösch, sowie die 400m-Hürdenläuferin Elke Krammel (nun Maier) viele Jahre erfolgreich. Mehrere Talente wie z.B. Tobias Grimmig (Mittelstrecken), Julia Hardt (Sprint bis Mittelstrecken), Christina Janetschek (400m), Stefan Schießl (Mehrkampf) und die Sprinter Kerstin Seitz, Christian Happernagl, Thomas Lecher- mann oder Christine Schmalzl schafften den Weg in die Männer- und Frauenklassen nicht, obwohl sie in den Schüler- und Jugendklassen dominierend waren. Einziger Hoffnungsschimmer war Mittelstrecklerin Natalie Buchfelder, die aber den Verein in Richtung Fürth verlassen hat. Weitspringer Martin Rak konnte sich viele Jahre mit allen bayerischen Spitzenspringern messen, aber Verletzungen plagten ihn immer wieder.
Es ist schwierig, junge Athleten bis zur deutschen Spitze zu führen. Dazu braucht es langer Geduld, aber auch die notwendigen Voraussetzungen, die die Abteilungsführung zu bewältigen hat.

Neue Kräfte und Veranstaltungen
Die veränderte Situation in der Abteilung wie z.B. Minderung der finanziellen Zuschüsse, Abwanderung von Athleten, Ende des Internationalen Meetings und personelle Veränderungen veranlassten die Abteilungsführung neue Veranstaltungen und neue Kräfte einzubauen. So wurde im Frühjahr 2001 wieder der Schanzer Seelauf am Baggersee mit großer Beteiligung ausgerichtet und im Herbst des gleichen Jahres löste Werner Funk wieder Herold Demel als Abteilungsleiter ab. Diese beiden waren es, die ab 2002 eine Nachfolgeveranstaltung zu den „Internationalen“ ins Leben riefen, nämlich ein in Bayern beachtetes Meeting mit der Bezeichnung „MTV Meet-IN“. Zweifellos war es ein schönes Leichtathletik-Sportfest, mit guten Leistungen, knappen Entscheidungen, namhaften Teilnehmern, aber vor wenigen Zuschauern. Dies hat sich aber von Jahr zu Jahr gebessert und so waren es im Jahr 2007 etwa 1000 Interessierte. Viele Sponsoren unterstützen diese Veranstaltung und sorgen für Preisgelder für die Sieger: Herrnbräu, Audi, Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, Stadt Ingolstadt, Sparkasse, Stadtwerke, MT Mißlbeck, Sport IN u.v.a..
Im Mai 2003 wurden im MTV-Stadion die bayerischen Mannschaftsmeisterschaften (Bayern-Cup) für Männer und Frauen ausgerichtet. Das Damenteam sorgte für das Highlight dieser Veranstaltung, denn sie siegten überlegen vor der LG Erlangen. Dieser Sieg war möglich, da endlich einmal alle Siebenkämpferinnen (Krieger, Schrader, Tittmann) die Mannschaft wesentlich verstärkten. Im Herbst 2003 wurde der bis dahin schon mehrere Jahre tätige Sportwart Karl Eberle zum Abteilungsleiter gewählt und er setzte verstärkt auf den eigenen Nachwuchs.
Im März 2004 richtete der MTV erstmals bayerische Crossmeisterschaften im Luitpoldpark aus. Mit über 700 Teilnehmern gingen bei idealen äußeren Bedingungen diese Titelkämpfe über die Bühne. Der MTV stellte ein zahlreiches Team, das viele vordere Plätze erreichte, aber erfolgreichster Verein war die LG Domspitz Regensburg. Ebenfalls 2004 wurde Abteilungsführungsmitglied Werner Funk als Vizepräsident in die Vereinsführung gewählt.

WM-Qualifikation im MTV-Stadion
„Das Meeting in Ingolstadt ist für uns Stabhochspringer absolut lohnenswert. Da herrschen super Bedingungen, die Zuschauer gehen toll mit und wir können hoch springen“. Das war eine Aussage von Superspringer Tim Lobinger und deshalb war es nicht verwunderlich, dass sich die Stabartisten das MTV-Stadion zu einer WM-Qualifikation aussuchten. Am 25. Juni 2005 traten sie alle an: Tim Lobinger, Danny Ecker, Lars Börgeling, Richard Spiegelburg, Fabian Schulze und weitere sieben Springer. Leider war es an diesem Tag brütend heiß und die Hitze vereitelte, dass einer die WM-Norm von 5,75 m schaffte. Tim Lobinger und Richard Spiegelburg waren zwar nahe dran, aber übersprungene 5,70m reichten nicht. Zwei junge Springer entschädigten aber mit der EM-Norm U23. Björn Venghaus (Bayer Leverkusen) und Alexander Straub (LG Filstal), Namen die man sich merken muß, übersprangen die geforderten 5,40m.
Kurz darauf, Mitte Juli 2005, drückte Lobinger auch dem MTV Meet-IN seinen Stempel auf. Er übersprang ebenfalls die 5,70m und etwa 600 Zuschauer beklatschten diese Ein-Mann-Show. Neben den Stabhochspringern überzeugte eine kleine Athletenschar aus Tschechien und Läufer aus Kenia.

Große Ehrungen für Funktionäre und Trainer
Erfolgreiche Arbeit in der Leichtathletik hat natürlich auch außergewöhnliche Ehrungen ermöglicht. So wurde 2002 Gustav Derbsch für seine vielen und langjährigen Tätigkeiten im Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Im gleichen Jahr erhielt Herold Demel aus der Hand von Staatssekretär Hermann Regensburger die Ehrenamtsmedaille der bayerischen Staatskanzlei für sein über 30-jähriges Engagement und die vielen sportlichen Erfolge seiner Schützlinge. Im Jahr darauf wurde er dann noch bei der Ingolstädter Sportlerwahl für sein Leichathletik-Lebenswerk geehrt. Aber die meisten und größten Ehrungen konnte natürlich Bert Sumser für sich verbuchen. 1989 schon wurde er zum weltbesten Trainer gekürt. Anläßlich einer Feierstunde des „Klubs der alten Meister“ wurden er mit dem Tatsuo-Tokio-Preis (so benannt zum Gedenken an den japanischen Trainer und Künstler) ausgezeichnet. Dieser Preis wurde ihm in Gegenwart von etwa 160 Olympiasiegern, Weltrekordlern und deutschen Meistern in Paris überreicht. Zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2003 wurde er von der Stadt durch Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann mit der Hans-Peringer-Medaille, für herausragende gesellschaftliche Verdienste, geehrt. Da er als Trainer international in verschiedenen Sportbereichen tätig war, wurde er deshalb auch schon mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.
„Alles braucht Zeit und Geduld – das Gras muß erst wachsen, ehe man das Heu ernten kann“, sagte einmal Bert Sumser und er hat wohl nicht gedacht, dass er einmal in die Sportgeschichte eingehen wird. Im September 2009 starb er fast 96-jährig. Viele seiner ehemaligen Athleten nahmen Abschied und werden ihn bestimmt in guter Erinnerung behalten.

MTV-Leichtathleten bleiben führend in der Region
Obwohl die MTV-Leichtathletik im letzten Jahrzehnt an Leistungsstärke verloren hat, blieb sie weiterhin führend in der Region. Der MTV Ingolstadt ist eine absolute Top-Adresse im Kreis Oberbayern-Nord der sich von Eichstädt über Neuburg, Ingolstadt, Schrobenhausen, Pfaffenhofen, Wolnzach, Geisenfeld, Freising, Dachau oder Erding erstreckt.
Die Nachwuchsarbeit drängt sich immer mehr in den Vordergrund und mit einem neuen Trainingsgruppen-Konzept soll den vielen Talenten eine Voraussetzung zu einem erfolgversprechenden Übergang in die Jugend- und Erwachsenenklassen geschaffen werden.
Neben dem erfolgreichen Nachwuchs und den vielen guten Plazierungen bei oberbayerischen und bayerischen Titelkämpfen haben sich in den letzten Jahren besonders die MTV-Senioren hervorgetan. So konnten sich Uwe Zill (M50), Hans Lang (M45), Heinz Schweiger (M50), Birgit Nixdorf (W35), Stefan Frey (M45), Albert Walter (M65) und Corinna Pape (W35) bei Nationalen und Internationalen Meisterschaften ganz oben platzieren.
Damit die MTV-Leichtathletik auch weiterhin mit guten Voraussetzungen arbeiten kann wurden im Jahr 2006 die Sportler neu eingekleidet, der Gerätepark wurde erweitert u.a. mit einern euen Stabhoch-Anlage und 2007 wurde die Laufbahn erneuert und erstrahlt wieder in einem leuchtenden rot.
Erfreulich ist, dass es wieder eine Reihe von hoffnungsvollen Nachwuchstalenten gibt. Wegen der guten Nachwuchsarbeit wurde im Jahre 2010 der MTV zum Talentezentrum im Bayerischen Leichtathletik-Verband ernannt. Nur leider schaffte von den bisherigen Talenten niemand den Sprung in die Juniorenklassen.

Das Jahr 2009 brachte große Veranstaltungen
Nachdem man zweimal die Bayerischen Crossmeisterschaften in den Jahren 2004 und 2008 ausrichtete, einmal im Luitpoldpark und einmal im Hindenburgpark, wagte man auch mal eine Deutsche Crossmeisterschaft auszurichten. Diese Entscheidung war richtig, denn im März wurde auf einer abwechslungsreichen und schnellen Laufstrecke im Hindenburgpark rings um den sogenannten „Hetschenweiher“ eine von allen Seiten viel gelobte Meisterschaft ausgerichtet. Kein Geringerer als der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes Dr. Clemens Prokop zog das überaus ausgezeichnete Fazit: Die Veranstaltung war toll organisiert, die Stimmung war gut, die Athleten begeistert und der MTV Ingolstadt hat sich damit für höhere Aufgaben empfohlen. Etwa 1200 Läufer und Läuferinnen waren am Start, darunter auch eine ansehliche Gruppe vom ausrichtenden MTV. Zur guten Stimmung trug der Schirmherr und Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bei, denn durch seine Anwesenheit und seine Übergabe des bayerischen Löwen an die Sieger der Hauptläufe Sabrina Mockenhaupt und Arne Gabius konnte er die vielen Zuschauer begeistern. Alles in allem gesehen eine aufwendige, arbeitsreiche Veranstaltung die aber für das Ansehen von Ingolstadt und dem MTV vieles brachte. Organisationsleiter Herold Demel kann zurecht darauf stolz sein.
Topleistungen beim MTV-Leichtathletik-Meeting hieß es dann im Juni, denn wieder waren die deutschen Stabhochsprung-Asse diesesmal zu einer Weltmeisterschafts-Qualifikation am Start. Abteilungsleiter Karl Eberle brachte es wiederum fertig die Stabhochsprung-Artisten dem Ingolstädter Publikum zu präsentieren. Vor etwa 1000 Zuschauern wurde ein echtes Leichtathletikfest geboten, denn neben den vielen Athleten aus dem gesamten Bundesgebiet konnte man auch Athleten aus Österreich, England und Tschechien bewundern. Erstmals wurde ein Frauen-Stabhoch-Wettbewerb angeboten und es gab auch Spitzenleistungen in den Lauf- und Sprungwettbewerben. Der MTV-Nachwuchs konnte sich in vielen Disziplinen hervorragend in Szene setzen. Das Meeting in Ingolstadt gewinnt weiter an Renommee berichtete der Donau-Kurier und Stabhoch-Liebling Tim Lobinger lobte die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass die Anlage und die Betreuung in Ingolstadt einfach perfekt ist.

Die Nachwuchsarbeit und die Veranstaltungen spielen weiterhin eine große Rolle
Die Nachwuchsarbeit war in den vielen vorausgehenden Jahren der Mittelpunkt in der Abteilung und wird es auch weiterhin bleiben. Für die Saison 2011/2012 ehrte der Bayerische Leichtathletik-Verband den MTV für hervorragende Arbeit. Die Disziplintrainer Reinhard Köchl, Karl Eberle, Herold Demel, Hans Lang und Uwe Zill werden den im Jahre 2013 neu gewählten jungen Abteilungsleiter Martin Weinberger kräftig unterstützen, dass die jungen Athleten/innen eine geschulte Weiterbildung erhalten.
Auch bei den Veranstaltungen gibt es eine rege Tätigkeit bei den Leichtathleten, denn neben den schon etablierten Meetings MTV Meet-IN, Schanzer Seelauf und Cross Meet-IN gibt es nun auch ein Wurf Meet-IN und ein Dreisprung Meet-IN.

Gustav Derbsch