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MTV Meet-IN 2009: Straub und Otto schaffen in Ingolstadt die WM-Norm

veröffentlicht um 12.03.2015, 05:49 von Thomas Rieger   [ aktualisiert 29.01.2017, 05:34 von MTV Ingolstadt Leichtathletik ]
Ingolstadt (ebk) Ingolstadt ist für Deutschlands Stabhochsprungartisten immer eine hervorragende Adresse. Nachdem der Start ins WM-Jahr mehr als stockend verlief, schafften mit Alexander Straub (LG Filstal) und Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) mit 5,70 Meter gleich zwei Springer beim Meet-IN die Norm für Berlin. Christian Blum gewann bei seinem zweiten Saisonstart die 100 Meter in 10,49 Sekunden.
Prickelnde Stimmung, hautnaher Kontakt zu den Fans, eine Kulisse von rund 1500 Zuschauern, eine optimale Anlage und schönes Sommerwetter am Mittwochabend: Unter solchen Vorzeichen müssen sich selbst die krisengebeutelten „Überflieger“ wohl fühlen und aus ihrem Leistungstief herauskommen. Nicht allen gelang freilich vor den Augen von DLV-Cheftrainer field, Herbert Czingon, sowie den Stabhoch-Disziplintrainern Jörn Elberding und Andrei Tivontchik der Weg aus der Talsohle so eindruckvoll wie dem späteren Sieger Straub und dem Zweitplatzierten Otto. Fabian Schulze (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigshafen), Meet-IN-Sieger von 2006, Tobias Scherbarth, Florian Sürth (beide TSV Bayer 04 Leverkusen) sowie Stefan Muntz (LG Filstal) legten beim offiziellen WM-Qualiwettkampf des DLV je einen „Salto Nullo“ auf die Matte und hatten die Reise nach Bayern ganz umsonst gemacht.
In weite Ferne gerückt ist das Berlin-Ticket auch für die beiden Leverkusener Danny Ecker und Lars Börgeling. Sie sagten ihre Starts in Ingolstadt krankheitsbedingt ab. Dafür schoben sich beim wichtigsten Stabhochsprung-Event Bayerns andere ins Blickfeld. Während Czingon und Elberding den Filstaler Alex Straub als „jungen Wilden“ fest auf ihrem Zettel für zukünftige Aufgaben haben, kam das Comeback von Björn Otto doch ein wenig überraschend. Im vergangenen Jahr hatte den 32-Jährigen ein Achillessehnenriss aus der Bahn geworfen, zu Beginn des Jahres schien sich die „Seuche“ in Gestalt einer Knieverletzung vorzusetzen. Dass Otto nun aufgrund eines Fehlversuches bei 5,40 Meter hinter dem Vorjahressieger Alex Straub Rang zwei belegte, schmerzte ihn angesichts der erfüllten Norm keineswegs. „Ich möchte unbedingt nach Berlin, denn die Chance, eine Weltmeisterschaft im eigenen Land bestreiten zu können, bekommt man in seiner Aktivenlaufbahn nur ein Mal“, gab der überglückliche Uerdinger nach dem Wettkampf als Ziel aus. Neben Alex Straub und Björn Otto hat bislang Malte Mohr (TSV Bayer 04 Leverkusen), der die deutschen Farben am Wochenende bei der Mannschafts-EM in Leiria (Portugal) vertritt, die WM-Norm erfüllt.
Bei der Vergabe der Tickets in die Hauptstadt will auch Tim Lobinger (LG Stadtwerke München) ein gewichtiges Wörtchen mitreden. In Ingolstadt scheiterte der 36-Jährige trotz guter Sprünge drei Mal an der Norm von 5,70 Meter. Die überquerten 5,60 Meter (Platz drei) machen jedoch Mut für kommende Aufgaben, selbst wenn Lobinger nach dem Wettkampf in Ingolstadt mächtig enttäuscht war. Wer den „Altmeister“ kennt, der weiß, dass er den Kampf noch längst nicht aufgeben hat. Spätestens bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm (4./5. Juli) will Lobinger mit der Normerfüllung und einem Platz unter den ersten Drei ein deutliches Zeichen setzen, dass an ihm immer noch kein Weg vorbeiführt. Hinter ihm scharrt freilich schon die nächste Generation mit den Hufen. Karsten Dilla (TSV Bayer 04 Leverkusen) holte sich in Ingolstadt mit neuer persönlicher Bestleistung von 5,50 Meter und Platz vier die Norm für die U 23-EM, während Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), der deutsche Leichtathlet des Jahres 2008, bei seinem ersten Saisonstart nach einer Muskelverletzung mit 5,40 Meter nicht unzufrieden war. 
Der Frauen-Stabhochsprung feierte in diesem Jahr beim Meet IN Premiere. Christina Gadschiew (LAZ Zweibrücken) scheiterte dabei drei Mal an einem neuen Stadionrekord von 4,52 Meter. Ihre Siegerhöhe von 4,42 Meter gehörte dennoch zu den herausragenden Resultaten des Abends, zumal sie die Norm für Berlin bereits in der Tasche hat. Zweite wurde Martina Strutz (SG Dynamo Schwerin) mit 4,32 Meter vor Denise von Eynatten (LG Leinfelden-Echterdingen) und Natascha Brenner (LAZ Zweibrücken), beide mit übersprungenen 4,22 Meter. Elena Horn (LG Telis Finanz Regensburg) schaffte nur ihre Anfangshöhe von 3,82 Meter.
Mit Spannung wurde der zweite Freiluftauftritt 2009 von Christian Blum (LAC Quelle Fürth/München 1860) erwartet. Nach 10,59 Sekunden im Vorlauf, bei dem ihm der wechselnde Wind voll ins Gesicht blies (minus 1,1), schaffte der 21-jährige Sprinter in Ingolstadt im Finale mit leichtem Schub von hinten immerhin eine Steigerung auf 10,49 Sekunden und hielt damit den Salzburger Roland Kwitt (10,59) sowie Klaus Kühbeck (LAC Quelle Fürth/München 1860; 10,81) in Schach. „Eigentlich habe ich mir heute ein bisschen mehr vorgenommen“, bekannte Blum unmittelbar nach dem Zieleinlauf. Nach überstandener Verletzung vom Stuttgarter Hallenmeeting und einer Erkrankung geht es nämlich im Training spürbar aufwärts. „Er kommt allmählich wieder in die Nähe seiner Form“, berichtete Blums Trainer Ingo Seibert. „Die Zeiten stimmen schon wieder. Jetzt muss er sie nur noch auf der Bahn umsetzen.“ Die WM in Berlin hat Bayerns Sprint-Aushängeschild jedenfalls noch nicht abgehakt. „Zumindest in die Staffel will ich auf alle Fälle“, gab er sich in der Ingolstädter Abendsonne verhalten optimistisch. Den Frauen-Sprint dominierte Anja Wurm (LG Stadtwerke München) klar in 11,71 Sekunden.  
Eine schnelles 400 Meter-Rennen lief Hürdenspezialist David Gollnow (TSV 1862 Erding). Im Sog von Eric Krüger (SC Magdeburg; 47,45 Sekunden) verbesserte der 19-Jährige seinen Hausrekord über die Stadionrunde auf sehr gute 47,51 Sekunden. Dahinter kamen Martin Conrad und René Bauschinger (beide LAC Quelle Fürth/München), die auf der neuen Bahn des MTV-Stadions ihre Tempohärte testen wollten, in 48,53 beziehungsweise 49,39 Sekunden ins Ziel. Über 800 Meter rang Sebastian Zundler (LG Telis Finanz Regensburg) den Favoriten David Genck (LG Donau-Ries) auf den letzten Metern in 1:51,65 zu 1:51,67 Minuten nieder und qualifizierte sich so auf den letzten Drücker für die DM in Ulm. Dem Österreicher Dominik Zierler (TV Wattens) konnte über die 3000 Meter mit 8:27,97 Minuten keiner das Wasser reichen. Eine klare Sache wurden die 4 x 100 Meter-Staffeln für die LAC Quelle Fürth/München 1860 (Patrick Max, Philipp von Münster, Stephan Weidmann und Klaus Kühbeck) bei den Männern in 41,68 Sekunden und die LG Stadtwerke München (Anja Wurm, Judith Ritz, Franziska Bertenbreiter und Julia Rüdiger) bei den Frauen in 46,75 Sekunden. Erwähnenswert auch der Weitsprungerfolg von Katharina Naumann (LG Stadtwerke München) mit 6,13 Meter.
Unter den herausragenden Resultaten beim Nachwuchs befanden sich auch zwei mit dem Vereinsvermerk des Gastgebers: Svenja Stoll (MTV 1881 Ingolstadt) gewann die Dreisprungkonkurrenz der Weiblichen Jugend A mit neuer persönlicher Bestleistung von 12,14 Meter und Mehrkämpferin Sabrina Thomas holt sich den 100 Meter-Sieg bei der Weiblichen Jugend B in 12,55 Sekunden, was ebenfalls neuen Hausrekord bedeutete. Felix Bär (LAC Quelle Fürth/München 1860) überzeugte bei seinem Weitsprungerfolg in der Männlichen Jugend B mit guten 6,81 Meter.


Fotos: Pleier