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Stefanie Aeschlimanns Wunschtraum: Noch drei perfekte Sätze

veröffentlicht um 15.07.2016, 13:55 von MTV Ingolstadt Leichtathletik   [ aktualisiert: 22.01.2017, 09:33 ]
Leichtathletin schreibt über Leichtathletin: Genauso war es am vergangenen Donnerstag, als der „Donaukurier“ eine große Story über die derzeit erfolgreichste MTV-Leichtathletin Stefanie Aeschlimann veröffentlichte. Ihre Vereinskameradin Helen Linke, die derzeit in Praktikum in der Mantelredaktion des „Donaukurier“ absolviert, stieß mit ihrem Vorschlag, doch ein Portrait über die Deutsche Vizemeisterin im Dreisprung zu schreiben, auf offene Ohren. Das Resultat von Helens Arbeit wollen wir Ihnen natürlich auch auf unserer Leichtathletik-Homepage nicht vorenthalten.

Ingolstadt (DK) Einmal war Stefanie Aeschlimann schon ganz nah dran. Im vergangenen Jahr gewann sie in der Halle den Dreisprung-Titel bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Unter freiem Himmel reichte es allerdings nur zu Rang zwei. In zwei Wochen greift die neue bayerische Juniorenmeisterin erneut nach Gold.

Mit einer persönlichen Hallen-Bestweite von 12,96 Metern im italienischen Padova im Februar und 12,55 Metern am vergangenen Wochenende in Hösbach bei den bayerischen U-23-Titelkämpfen rechnet sich Aeschlimann für die deutschen Jugendmeisterschaften in zwei Wochen in Mönchengladbach einiges aus. Als "Wunschweite" nennt sie ein Ergebnis zwischen 12,70 und 12,80 Metern. "Ich freue mich sehr auf die Wettkämpfe und kann es kaum erwarten", sagt sie.

Im September 2005 fing alles an: Als Teilnehmerin eines Turnmehrkampfes, bei dem sowohl Turn- als auch Athletikdisziplinen wie Weitsprung und Sprint gefordert waren, entdeckte die Ingolstädterin ihre Leidenschaft für die Leichtathletik. Kurz darauf absolvierte die heute 19-Jährige ein Probetraining beim MTV Ingolstadt. "Ich merkte schnell, dass mir die Leichtathletik mehr liegt als das Turnen", erinnert sie sich. Ihre ersten Wettkämpfe absolvierte sie im Dreikampf (50 Meter Sprint, Weitsprung und Schlagballwurf).

Zum Dreisprung wechselte Aeschlimann erst im Jahr 2012. Damals absolvierte sie im Alter von 14 Jahren unter dem kürzlich verstorbenen Trainer Peter Rak verschiedene Sprungübungen im Training. "Die Übungen haben mir Spaß gemacht, ich habe dann den Dreisprung einfach mal ausprobiert." Schnell stellten sich bei Wettkämpfen die ersten Erfolge ein. Folglich fokussierte sich Aeschlimann fortan immer mehr auf die Disziplin. Dennoch ist sie ein Multitalent - noch im Jahr 2012 wurde die Ingolstädterin bayerische Jugendmeisterin im Siebenkampf.

Von Januar bis Oktober 2013 absolvierte Aeschlimann ein Gastschuljahr in Neuseeland, wo sie ebenfalls an landesweiten Wettkämpfen teilnahm. Bei den neuseeländischen Meisterschaften hätte jeder ihrer fünf Sprünge für den Sieg gereicht, somit darf sich Aeschlimann internationale neuseeländische Meisterin nennen. Die damals 16-Jährige besuchte das Nayland College in Nelson.

Aber Aeschlimann musste in ihrer noch jungen sportlichen Karriere auch schon Rückschläge verkraften: Im Jahr 2014 hatte sie sich für die deutschen Jugendmeisterschaften in Bochum-Wattenscheid qualifiziert, zog sich dann aber eine Woche vor dem Wettkampf einen Muskelfaserriss zu. Die Ingolstädterin trat dennoch an - und musste den Wettkampf nach dem ersten Sprung enttäuscht abbrechen. Im Folgejahr ging es aber wieder bergauf: Aeschlimann gab ihr Debüt in der Nationalmannschaft beim U-20-Ländervergleich, bei dem Deutschland gegen Frankreich und Italien antrat. Beim Wettkampf im italienischen Padua siegte sie im Dreisprung mit neuer Bestleistung von 12,96 Metern und trug so ihren Teil zum deutschen Gesamterfolg bei. Doch Aeschlimann will mehr: "Mein Ziel ist es, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen." Diesbezüglich ist sie auf einem guten Weg.

Zu ihrem Trainer beim MTV Ingolstadt, dem Neuburger Reinhard Köchl, hat sie ein sehr gutes Verhältnis: "Wir verstehen uns prima. Anfang der Saison gab es ein paar Schwierigkeiten mit dem Sprung an sich, aber durch intensives Training wurde es immer besser. Wir werden dennoch weiter hart arbeiten", sagt die 19-Jährige. "Das Training macht viel Spaß, zudem werde ich von allen Seiten unterstützt. Ich finde es toll, gemeinsam mit dem Team auf Wettkämpfe zu fahren."

Seit ihrem erfolgreichen Abitur im Juni dieses Jahres trainiert Aeschlimann achtmal pro Woche. Sie versucht, nebenbei aber auch noch die Zeit mit ihren Freunden zu genießen, bevor sich viele Wege mit Studienbeginn trennen. Genaue Pläne für die Zukunft hat die 19-Jährige noch nicht, aber sie möchte auf jeden Fall studieren und weiterhin viel Sport treiben, "denn der steht bei mir ganz oben".

Natürlich hat Aeschlimann auch Vorbilder. "Die Leichtathletik-EM habe ich selbstverständlich verfolgt, nicht nur den Dreisprung, denn die anderen Disziplinen interessieren mich auch." Als sie den Überraschungs-Europameister Max Heß springen sah, habe sie sich gedacht: "So würde ich auch gern springen können." Ihre größten Idole sind jedoch keine Leichtathleten - sondern überraschenderweise American-Football-Spieler. "Quarterback Tom Brady und Julian Edelman, Wide Receiver, von den New England Patriots. Über beide wurde damals gesagt, dass aus ihnen nichts wird, sie sind aber trotzdem drangeblieben und haben es geschafft, das zu erreichen, was sie erreichen wollten. Das bewundere ich sehr", sagt Aeschlimann.

Von Helen Linke


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