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Sportler während der Coronavirus-Zwangspause: Albert Walter

veröffentlicht um 07.05.2020, 09:42 von MTV Ingolstadt Leichtathletik   [ aktualisiert: 07.05.2020, 09:43 ]
Eulenried (DK) Zugegeben, einmal ist Albert Walter doch schon rückfällig geworden - obwohl er sich felsenfest vorgenommen hatte, dass der Silvesterlauf 2019 in Neuburg an der Donau das letzte offizielle Rennen in seiner Karriere als Leichtathlet gewesen sei.

Aber das mit den guten Vorsätzen ist grundsätzlich schon ein Kreuz - erst recht, wenn man plötzlich auf etwas verzichten soll, dass man zuvor jahrzehntelang geliebt hat.

Und der Eulenrieder liebte es sehr wohl, sich regelmäßig mit Konkurrenten aus nah und fern zu messen. Ihnen zu enteilen sowie damit Titel wie am Fließband zu sammeln. Je viermal wurde er ja Welt- und Europameister. Fünfmal holte der mittlerweile 80-Jährige WM-Silber, dreimal EM-Silber, zweimal WM-Bronze sowie einmal EM-Bronze. Und dass zudem 27 Deutsche Meistertitel an ihn gingen, sollte ebenfalls nicht vergessen werden.

Unmengen an Trainingskilometern hatte er für alle diese Erfolge zurücklegen, Unmengen an Freizeit dafür investieren müssen. Beziehungsweise dürfen, denn dem Mann aus der Gemeinde Hohenwart machte all dies stets eine Menge Spaß. "Laufen ist schon etwas sehr Schönes", sagt er übrigens immer noch - mit seinem unverwechselbar schelmischen Grinsen im Gesicht. Da müsse man es eben auch verstehen, dass er im Februar nicht mehr anders konnte - und entgegen seinem ursprünglichen Plan doch nochmals an Bayerischen Meisterschaften teilnahm. Dass er hierbei in seiner Altersklasse wieder einmal unschlagbar war, dass er dadurch seinen bereits 21. Titel auf weißblauer Ebene gewann - eigentlich müßig zu erwähnen. Aber um Letzteres ging es Walter gar nicht. Er wollte es einfach nochmals genießen, gegen andere zu laufen.

Nein, einen Rücktritt vom Rücktritt werde es trotzdem nicht geben. "Bei Deutschen Meisterschaften oder noch weiter oben gibt es mich definitiv nicht mehr als aktiven Sportler zu sehen", verspricht Walter weiterhin. Was allerdings nicht bedeutet, dass er seine Leichtathletikschuhe inzwischen irgendwo an den berühmten Nagel gehängt hat. Stattdessen wird von ihm weiterhin fleißig trainiert - nicht zuletzt der Gesundheit Willen. Aber eben auch, weil der Eulenrieder es gerne macht. Selbst die Corona-Krise kann ihn aktuell nicht davon abhalten, dass er bei seinem Sport "wieder ganz schön drin" ist. Sein derzeitiges Wochenpensum: stolze vier Einheiten. Drei davon werden in der heimischen Gemeinde Hohenwart absolviert, eine in Ingolstadt - Letzterwähnte übrigens weiterhin mit Gerlinde Kolessa, seiner geschätzten Trainingspartnerin, mit der er bereits seit einigen Jahren zusammenarbeitet. "Wir wollen das nicht ganz einschlafen lassen", verrät Walter.

Insgesamt rund 40 Kilometer legt er dadurch pro Woche zurück. Nicht schlecht für jemanden, der angeblich keine sportlichen Ambitionen mehr hegt, oder? Der 80-Jährige lacht. "Na ja, bei offiziellen Meisterschaften möchte ich in der Tat nicht mehr starten - aber das heißt nicht, dass nicht vielleicht doch noch den einen oder anderen Rekord brechen will. " Walter meint damit diverse bayerische Bestmarken in seiner Altersklasse M80 - sowie die deutschen auf der Fünf- und Zehn-Kilometer-Strecke. "Die beiden Letztgenannten sind allerdings nur schwer zu knacken", befürchtet der vierfache Welt- und Europameister: "Aber egal, irgendwann werde ich es trotzdem versuchen. Wenn es dann tatsächlich klappen sollte, wäre es recht. Und wenn nicht, wäre es auch egal. "

Walter schmunzelt wieder bei diesen Worten. So ehrgeizig, fast schon verbissen wie in den Jahren zuvor wirkt er nicht mehr. "Mir geht es einfach gut", verrät der 80-Jährige: "Ein Stück weit bin ich tatsächlich froh, dass all der Stress rund um die Wettkämpfe vorbei ist - wobei ich andererseits zugeben muss, dass ich dadurch ein Stück weit bequemer geworden bin. Inzwischen muss ich mich mehr überwinden, um mein geplantes Trainingspensum tatsächlich zu absolvieren. "

Optisch wirkt der Leichtathlet aus Eulenried fit wie eh und je, auch ohne offizielle Rennen scheint er kein einziges Kilo zugenommen zu haben. "Das war kurz nach Ostern allerdings noch anders", erzählt Walter lächelnd: "Ich stellte mich da auf die Waage und glaubte, mich trifft der Schlag. "

Mit eisernem Willen habe er inzwischen zwar wieder jedes Gramm abtrainiert, aber die Versuchung kommt für ihn trotzdem täglich wieder - dank der eigenen Gattin: "Meine Frau ist in der Tat eine extrem gute Köchin. Bei ihr schmeckt wirklich alles wunderbar. " Also bleibt Walter schon rein aus Gewichtsgründen fast nichts anderes übrig, als seinem so geliebten Hobby, dem Laufen, weiterhin fleißig nachzugehen - oder? Eine Antwort darauf gibt's zwar nicht von ihm, aber stattdessen immerhin wieder sein schelmisches Grinsen. Und das sagt in diesem Fall wohl mehr als viele Worte.

Albert Walter mit Trainingspartnerin Gerlinde Kolesa (Foto: Markus Jaser)