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Mona Mayer: „Schon die Teilnahme allein ist ein Traum“

veröffentlicht um 18.06.2018, 16:31 von MTV Ingolstadt Leichtathletik   [ aktualisiert: 18.06.2018, 16:32 ]
Ingolstadt (ebk) Nur ein Jahr nach dem Vize-Europameistertitel von Alica Schmidt hat der MTV 1881 Ingolstadt eine neue Hoffnungsträgerin über die 400-Meter-Strecke. Die erst 16-jährige Mona Mayer löste bei der internationalen U18-Gala im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion mit Platz zwei und einer sensationellen Steigerung auf 53,99 Sekunden das Ticket für die EM ihrer Altersklasse in Györ/Ungarn. Nur fünf Stunden später gelang ihr mit einem völlig unerwarteten Sieg über 200 Meter in 24,26 Sekunden und dem Sprung an die deutsche Spitze der nächste Coup. Die Zeit lag nur sechs Hundertstelsekunden über der nächsten EM-Norm. Wir haben uns mit der Nachwuchs-Sprinterin über die Stadionrunde in Schweinfurt, die Gründe für ihre Leistungsexplosion und erfüllte sowie zukünftige Träume unterhalten.

Mona Mayer, seit Samstag steht fest, dass du bei den U18-Europameisterschaften in Györ/Ungarn auf deiner Lieblingsstrecke über 400 Meter an den Start gehen darfst. Ausschlaggebend dafür war dein fulminanter Lauf bei der U18-Gala in Schweinfurt, bei dem du dich um fast eine Sekunde auf 53,99 Sekunden verbessert und Platz zwei belegt hast. Wie hast du den Lauf selber erlebt?

Mona Mayer:
Ich habe mich schon vorher ziemlich gut und schnell gefühlt. Das Training war genau auf die U18-Gala abgestimmt, das Wetter passte. Wir waren drei Mädchen, die nach Györ fahren wollten, aber nur zwei dürfen dorthin. Als ich dann noch erfuhr, dass ich die Bahn hinter der bisherigen Jahresschnellsten Marie Scheppan aus Cottbus zugeteilt bekam, hat mir das noch zusätzlich Auftrieb gegeben. So konnte ich mich nämlich an ihrem Tempo orientieren und mich von ihr ziehen lassen. Eine Bahn hinter mir war die Deutsche U18-Meisterin Brenda Cataria-Byll vom CVL Siegerland, die immer mit einem Höllentempo angeht. Aber ich wusste, dass sie Trainingsrückstand hatte und ihr Heil in der Flucht nach vorne suchen würde. Also blieb ich ruhig. Die Startkurve passte, die ersten 200 Meter waren vom Gefühl optimal. In der Zielkurve lagen wir alle drei noch dicht beisammen. Da galt es für mich, Druck zu machen, nicht zu locker zu laufen, aber gleichzeitig noch ein paar Körner für den Schlussspurt aufzuheben. Das gelang dann auch. Marie und ich, wir haben noch einmal einen Gang zugelegt und alles gegeben, Brenda, meine andere Konkurrentin, konnte da nichts mehr zusetzen. Ich spürte gleich, dass es eine tolle Zeit war. Und dann noch der zweite Platz – Wahnsinn!

Nun darfst du zum ersten Mal das Nationaltrikot überstreifen und dich mit den besten 400-Meter-Läuferinnen deiner Altersklasse in Europa messen. Was bedeutet das für dich?

Mona Mayer:
Die Erfüllung eines Traumes, auch weil meine Mutter schon über 400 Meter für Deutschland gestartet und Vize-Europameisterin mit der 4 x 400-Meter-Staffel geworden ist. Es ist das Resultat von hartem Training, und es hat sich wirklich mehr als gelohnt! Dass ich nun zur EM fahren darf, empfinde ich als große Ehre. Ich versuche jeden Moment davon auszukosten.

Du startest am Donnerstag, 5. Juli, in Györ zu deinem Vorlauf. Dann folgen hoffentlich noch am Freitag, 6. Juli, das Semifinale und am Samstag, 7. Juli, das Finale. Ein gewaltiges Pensum für eine 16-Jährige! Was kann man in der Zeit bis dahin noch im Training machen?

Mona Mayer:
Eher wenig. Das, was man bislang noch nicht drauf hat, bekommt man auch nicht mehr. Allzu hartes Training wäre jetzt kontraproduktiv. Wir versuchen vor allem, die Spannung zu halten und vielleicht noch ein paar Schnelligkeitsspitzen zu setzen. Ansonsten liegt das Hauptaugenmerk darauf, gesund und ohne Verletzungen zu bleiben.

Schließlich fährst Du nicht ganz aussichtslos zur EM. Du und Marie Scheppan, ihr seid nach eurer aktuellen Leistung sogar die Nummer drei und die Nummer eins in Europa. Ein starkes deutsches Viertelmeiler-Team.

Mona Mayer:
Das versuche ich zunächst mal völlig auszublenden. Mein Saisonziel habe ich mit der Teilnahme schon erreicht, deshalb wäre es vermessen und auch wenig hilfreich, jetzt mit irgendetwas anderem zu spekulieren. Eines nach dem anderen. Aber wenn am Schluss tatsächlich das Finale stehen würde, hätte ich natürlich nichts dagegen.

Im Herbst 2016 bist du als frischgebackene Deutsche U16-Meisterin über 300 Meter zum MTV Ingolstadt gekommen. Das bedeutet rund 100 Kilometer Fahrtstrecke von deinem Wohnort Hörlkofen bei Erding zum Training an die Donau. Warum tut man sich das an?

Mona Mayer:
Ganz einfach: Weil ich mich weiterentwickeln will. Meine Mutter, mit der ich bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend allein trainiert hatte, und ich, wir wollten uns einer leistungsstarken Trainingsgruppe anschließen. Die gibt es in Ingolstadt, wo wir auch starke Staffeln laufen konnten. So wurden wir zum Beispiel mit der 4 x 400-Meter-Staffel des MTV im vergangenen Jahr Deutscher Vizemeister in der U20. Außerdem kümmert sich in Ingolstadt auch Reinhard Köchl, der als Landestrainer Langsprint beim Bayerischen Leichtathletik-Verband tätig ist, um mich und bildet zusammen mit meiner Mutter ein perfektes Trainergespann. Besser hätte ich es wirklich nicht treffen können!

Wir haben vorhin von Träumen gesprochen. Kann man nach dem Erreichen des ersten großen Zieles schon neue Träume entwickeln?

Mona Mayer:
Natürlich möchte ich mich weiter verbessern und irgendwann mal auch bei den Frauen ganz vorne mit dabei sein. Und welcher Sportler träumt nicht von Olympia? Aber zunächst einmal geht es nur um den Augenblick, und den möchte ich in vollen Zügen genießen.