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Lisa Basener startet für Deutschland bei Berglauf-Europacup

veröffentlicht um 01.06.2017, 06:39 von MTV Ingolstadt Leichtathletik   [ aktualisiert: 01.06.2017, 14:33 ]
Ingolstadt (rk) Die Nachrichten kamen völlig unerwartet: Vor gut eineinhalb Wochen meldeten sich nacheinander Bundestrainer Andreas Michallek (Leipzig), DLV-Berglaufreferent Kurt König (Garmisch-Patenkirchen) und BLV-Landestrainer Jörg Stäcker (Nürnberg) bei Lisa Basener. Was das Lauftalent aus Oberhausen, das für den MTV 1881 Ingolstadt startet, dabei von allen dreien auf WhatsApp las, klang irgendwie komisch. Da standen die Worte „Berglauf“,, „Italien“, „WMRA Youth Cup“, und dass sie sich zum nächsten Tag entscheiden müsste, ob sie die Nominierung annehmen würde, weil die Flüge gebucht werden müssten.
Lisa Basener wusste zunächst nicht, ob sich hier jemand einen Scherz mit ihr erlaubte. Doch nach und nach wurde ihr klar: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte der Gymnasiastin soeben die Tür zu ihren ersten Einsatz im Nationaltrikot geöffnet, indem er sie für den „Youth Cup“ der World Mountain Runner Association (WMRA) – gleichzusetzen mit einer Art Nachwuchs-Europacup, im süditalienischen Gagliano del Capo bei Lecce am 24. Juni für das deutsche U 18-Team nominiert hatte. Kurioserweise verfügt Basener bis zum Zeitpunkt ihrer Nominierung über keinerlei Berglauferfahrung, sondern zählt vor allem im Crosslauf, aber auch auf der Bahn über 1500 und 2000 Meter Hindernis sowie über 3000 und 1500 Meter zu den Besten in Deutschland in ihrer Altersklasse. „Kein Problem“, beruhigte DLV-Berglaufreferent König die Oberhausenerin. „Gerade bei solchen Events suchen wir vor allem schnelle Läuferinnen über 1500 Meter, die gerade bergab jede Menge Speed geben können. Die Strecke ist moderat und auch nicht allzu extrem. Bei einem Blick auf unsere Bundeskaderathletinnen schien uns Lisa dabei als die ideale Wahl. Sie hat es sich durch ihre andauernd guten Leistungen und ihren Fleiß auch verdient.“
Die Strecke in Cagliano del Capo führt über 3,8 Kilometer sowie über Stock und Stein. Dabei müssen die Läuferinnen zwei Mal 250 Höhenmeter Aufstieg bewältigen und 150 Meter abwärts „sprinten“. Für die Nationalmannschaftsläuferin in spe klingt das nach einer Herausforderung und einer willkommenen Abwechslung im Alltagsgeschäft mit den Läufen auf der Bahn. „Ich freue mich riesig darauf“, erklärte Lisa Basener dann auch, nachdem sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. „In den nächsten Wochen werde ich das Lächeln wohl nicht mehr aus meinem Gesicht herausbekommen.“ Dazu trägt wahrscheinlich auch die mittlerweile vollzogene Einkleidung mit Nationaltrikot, Trainingsanzug und Tasche bei, bei der Lisa Basener jetzt sogar ihre Ingolstädter Trainingsfreundinnen Alica Schmidt und Mona Mayer überflügeln konnte, die sich beide ebenfalls Hoffnungen auf einen Start bei der EM und der WM machen:
Ihr Ziel umreißt die MTV-Athletin, die die Berufung ins Nationalteam als ein vorgezogenes Geschenk zu ihrem 17. Geburtstag betrachtet, in gewohnter Bescheidenheit: „Nur nicht Letzte werden.“ Dies steht jedoch in krassem Gegensatz zu den Plänen von Kurt König, der auf jeden Fall um eine Medaille in der Mannschaftswertung mitlaufen will. Im vergangenen Jahr kamen die deutschen U 18-Mädchen beim WMRA Youth Cup auf den Silberrang. „Schon viele Mädchen bekamen durch die Berufung in die Berglauf-Nationalmannschaft einen absoluten Leistungssprung auf der Bahn“, schürt der Funktionär Hoffnungen für die Zukunft.

Da parallel zum Berglauf in Gagliano del Capo am 24. Juni in Schweinfurt der entscheidende Nominierungswettkampf für die U 18-WM in Nairobi (Kenia) stattfindet, bei dem Lisa Basener eigentlich über 2000 Meter Hindernis starten wollte, galt es, auch eine schwere Wahl zu treffen. Letztlich entschieden sich die Läuferin und ihr Coach Reinhard Köchl für das Naheliegende. Das Training will Lisa Basener jetzt in den noch verbleibenden Wochen auf die neu gestellte Aufgabe ausrichten. Sie wird im Auwald zwischen Oberhausen und Neuburg verstärkt Berganläufe bis zu 500 Meter trainieren. Ansonsten bleibt sie aber auf jeden Fall der „normalen“ Leichtathletik erhalten. Das heißt, die frischgebackene EM-Teilnehmerin wird auch in Zukunft ihr Glück auf ihrer Lieblingsstrecke 2000 Meter Hindernis versuchen und dort alles daran setzen, so schnell wie möglich Deutschlands Nummer eins zu werden:

Foto: Göstl
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